Archive for January, 2010

Rauchen ab elf

Sunday, January 31st, 2010

MMDB108483_jugendlicher-raucht_368pxNicht ab elf abends. Sondern seit dem elften Lebensjahr. Das tut laut Tages-Anzeiger von gestern Samstag Emmanuel Petit, der im Tagi aber natürlich Emanuelle heisst, denn ein bisschen Sex muss sein. Petit also habe sich, nachdem er sich am Charity-Abend am WEF in Davos über die “Heuchelei” aufgeregt und geraunzt habe, die Banker sollten mal ihre Boni spenden, also nach all dem habe er sich zum Zigarettenautomaten begeben und sich ein Päckchen Marlboro gezogen. Und dabei dann also eben erklärt, er rauche, seit er elf sei, und habe das auch seine ganze Profikarriere über getan. Drum war der auch immer so bleich.

Den kleinen, intimen Beitrag im Tagi verdankt die Leserschaft übrigens einer Autorin des Mamablog, weshalb wir nun die Tage zählen, bis dort die Frage diskutiert wird: Ab wann soll mein Kind rauchen? Der Mamablog könnte sich dabei u.a. dort orientieren, wo das eingefügte Bild her stammt: von den österreichischen Sozialversicherungen, unter dem schönen Titel “Kinder lernen rauchen”.

Nachtrag am 3. Februar: Drei! Wir haben also gezählt: Genau drei Tage hat es gedauert, bis der Mamablog mit rauchenden Kindern kommt:

mamablog

FWW-Buchhinweis

Friday, January 29th, 2010

Hier wieder einmal ein Buchtipp: Am 8. Februar erscheint (nicht ganz in Echtzeit) “Feld-Wald-Wiese” von Daniel Ryser, ein dünnes Buch, das zu dicken Diskussionen Anlass geben wird und übrigens nichts mit Geografie, Forst- oder Landwirtschaft zu tun hat, sondern mit der Zürcher Hooliganszene. Und nein, es ist nicht so, wie Sie denken. Es ist NICHT in der Tradition englischer oder neuerdings auch deutscher Hooligan-Literatur (hust, hust, hust) gehalten, weil zwar von innen betrachtet, aber immer von aussen beschrieben wird. Davon konnte ich mich an der Lesung im Dezember überzeugen. Mit freundlicher Bestellempfehlung.

Mit zwei Ellen

Friday, January 29th, 2010

Leser Paul weist uns freundlicherweise auf einen Artikel im österreichischen Kurier hin, der die Doppelzüngigkeit von Sportkommentatoren in Pyro-Fragen behandelt. Wir haben das Thema an dieser Stelle auch schon angeschnitten, die Deutlichkeit dieses Artikels lohnt aber gewiss die Lektüre.

Zierliche Blues

Friday, January 29th, 2010

chlesea 1983Beim völlig sinnfreien Durchblättern des “Soccer Year Book 1984″ stiess ich auf dieses Bild von Chelsea-Regisseur Pat Nevin aus dem Jahr 1983. Chelsea gewann in der Saison 83/84 die Division 2 und stieg zusammen mit Wednesday und Newcastle in die Division 1 auf. Was auffällt, ist zum einen dieses schöne Trikot von Le Coq Sportif. Das habe ich eigentlich so noch nie gesehen. Zum andern ist da dieses Fragile an Pat Nevin, dieses Grazil-Zierliche. Das war da noch möglich. So konnte man damals gebaut sein und trotzdem Spiele entscheiden. Heute, all diese Ballack-Terry-Drogba-Testosteronbomben. Da würde der Pat Nevin einmal mittrainieren mit denen, man müsste ihn nachher eingestampft im Rasen des Trainingsplatzes suchen gehen. Gut, es gibt auch heute noch Ausnahmen. Luka Modric. Aber sonst? Die kleinen Katalanen zählen irgendwie nicht. Die sind zu zäh. Und zum dritten: von wem er da verfolgt wird, der Pat Nevin, da auf dem Bild. Von einem jungen Mann, der aussieht, als arbeite er in der Charcuterie-Abteilung eines heruntergekommenen Kaufhauses und verbringe zu viel seiner freien Zeit im Pub. Ich finde à propos leider nicht heraus, zu welchem Verein er gehört. Weiss jemand aus der geschätzten Leserschaft vielleicht, wer “McLean Homes” als Trikotsponsor hatte 1983/84?

Dank eines freundlichen Hinweises von Leser Don in den Kommentarspalten empfehle ich im Zusammenhang mit Pat Nevin nachträglich noch diesen Link. Nevin war also nicht nur zierlich, sondern auch sonst anders. The Fall statt Phil Collins – yes!

Bonjour à tout le monde

Friday, January 29th, 2010

Bertin

Temperierte Stange? Leider nein

Tuesday, January 26th, 2010

au_0084Beim Spiel St. Pauli – Aachen vom letzten Wochenende gabs kein Bier mehr: Leitungen eingefroren. Sehr lesenswerter Matchbericht auf dem Übersteiger-Blog, weil es da u.a. auch um jenen St. Pauli-Fan geht, der letztes Jahren in Aachen über eine Betonmauer des neuen Tivoli stürzte, sich schwer verletzte und heute … hier lesen.

2,4 innerorts

Friday, January 22nd, 2010

16.14 Uhr: Unser Privatreporter meldet per SMS live aus der Pressekonferenz des “Runden Tischs zu Gewalt an Sportveranstaltungen”: “Obacht from Bundeshaus, in Zukunft wird in NLA und NLB nur noch Leichtbier getrunken. Prost.”

Do the Drogba

Friday, January 22nd, 2010

Wenn sich zwei junge Herren sozusagen praxisnah der Schwalbe widmen, kommt das so heraus:

Hans, Franz, GPK

Thursday, January 21st, 2010

Was hat die Herausgabe der UBS-Daten mit Franz Beckenbauer zu tun? Kaufen Sie heute die WOZ. Oder lesen Sie es online, und kaufen Sie sie nachher.

Samstag in Luzern

Wednesday, January 20th, 2010

Wenn wir pressieren, reichts noch für einen Ausflug ins Eigenthal. Ich war aber schon lange nicht mehr dort. Kenne mich nicht mehr aus. Im Touristoffice am Bahnhof darf ich für vier Franken zehn Minuten ins Internet. Für vier Franken kann ich in Berlin ein Internetcafé kaufen. Aber das interessiert die Office-Dame nicht. Nach 7:20′ weiss ich über das Eigenthal, was ich wissen muss. Was soll ich mit den restlichen 2:40′? Ich gehe mal auf den Knappdaneben-Blog. Da ist ja immer etwas los. War auch schon lange nicht mehr. Aber ja was? “Der Inhalt dieser Seite verstösst gegen die Regeln des Jugendschutzes”, lese ich da. Ich klicke noch mal. Ein neues Fensterchen: “Indizierter Begriff: Sexkontaktheftli”.

Ja also bittesehr. Klar, ich war am Neujahrstag im Thurgau, und da liegen halt einfach Sexkontaktheftli rum. Was kann ich dafür? Die sollen besser den Zugang zum Thurgau sperren als zu diesem Blog. Das wäre dann wirklich Jugendschutz. Bevor ich mich fertig hintersinnt habe, ist die Zeit abgelaufen. Und das Postauto fährt. Der Chauffeur flucht laut. Die Strasse ins Eigenthal ist halt eng. Er flucht wie Emil. Ich merke, dass Emil schon nicht einfach ein Schweizer Komiker war, sondern ganz speziell auch ein Luzerner. “Jo was machsch etz? Was machsch etz was? Fahrsch ächt zrogg? Lueg etz fahrter zrogg. Jo, fahr nome, gopferteli nomol, jo jo, fahr nome.” So geht das die ganze Fahrt. “Was, deet chond nomol eyne? Jo verreckte huere Souseich. Jo chasch dänkä dass ech zrogg fahre. Jo chasch dänkä, domme Siech dä. Jo jo, zrogg! Fahr nome zrogg! För was horni de do di ganz Ziit? Gopferteli nomol.”

Der Chauffeur hat aber auch den Funk auf laut gestellt die ganze Zeit. Nicht, dass er mit jemandem funkte, aber die andern funken. “Hesch öppen’es Billett förs AC/DC-Konsäärt?” “Secher ned, isch jo uusverchouft.” “Äbe drom frogi dänk.” “Aha.” “Jo dänk.” “En alte Maa wie du muess sowiso nömme an es AC/DC-Konsäärt.”

Zurück in Luzern kauf ich mir beim Bachmann noch etwas Feines. So ein Rahmtörtchen, so ein portugiesisches. Sind nicht angeschrieben. Aber ich weiss noch halbwegs, wie sie heissen. “So ein Pasteis de Nata bitte.” “Was?” “Ein Pasteis de Nata, so eins da.” “Aha, es Schnäfeli.” “Aha, Schnäfeli sagen Sie denen.” “Joo. Das send haut so Rahmtörtli os Portugau.” “Ja eben. Die heissen glaubs eben Pasteis de Nata.” “Puuh, ke Aahnig, ech säg dene eyfach Schnäfeli.” Ja du bist mir auch ein Schnäfeli. Sag ich später zu jemandem. Werd ich noch oft sagen in Zukunft.

Am Bahnhof machen sich ein paar Junge mit ein paar Fahnen und Schals auf den DSC01782Weg. Flüchten vor der drohenden Fasnacht. Ja spielt denn der FCL? Das wüsste ich. Ich geh jetzt aber nicht noch einmal extra ins Internet. Die FCL-Seite kann ich sicher auch nicht öffnen vom Touristoffice aus. Da steht sicher irgendwo etwas mit Sex drin. Aber am nächsten Tag erfahre ich, dass die zum Eishockey nach Faido gefahren sind. 50 Zuschauer hatte es da, etwa 7 davon hab ich gesehen. Wir gehen unterdessen in den Ausgang ins Dorf und wieder zurück. Auf dem Billettautomaten steht eine ägyptische Dose Stella. Habe ich nie zuvor gesehen oder getrunken. Passt aber farblich extrem gut zum Billettautomaten.

Wieder in Luzern, merken wir, dass uns die Getränke ausgehen. Es ist aber schon spät. Da passieren wir – ein Wunder fast! – einen Selecta-Automaten mit allem drin, was für die Jugend verboten ist: Bier, Zigaretten. Nur die Sexkontaktheftli fehlen. Jetzt haben die das so gemacht, dass man nach dem Zahlen kurz seine ID durch einen Schlitz ziehen muss. Wenn man dann das richtige Alter hat, gibts Getränke. Bei mir funktioniert es aber nicht. Ich werde fast wahnsinnig. Das können sie nicht machen, einen solchen Automaten aufstellen, und dann geht es nicht. Immerhin, Wunsterunsere Freunde wohnen in der Nähe und haben im Kühlschrank noch eine Dose für drei Personen. Wir verteilen das Bier auf drei Gläser: ein kleines Hochdorfer-Glas, einen Von-Wunster-Stiefel und eine alte Sonnenbräu-Stange.