Wenn wir pressieren, reichts noch für einen Ausflug ins Eigenthal. Ich war aber schon lange nicht mehr dort. Kenne mich nicht mehr aus. Im Touristoffice am Bahnhof darf ich für vier Franken zehn Minuten ins Internet. Für vier Franken kann ich in Berlin ein Internetcafé kaufen. Aber das interessiert die Office-Dame nicht. Nach 7:20′ weiss ich über das Eigenthal, was ich wissen muss. Was soll ich mit den restlichen 2:40′? Ich gehe mal auf den Knappdaneben-Blog. Da ist ja immer etwas los. War auch schon lange nicht mehr. Aber ja was? “Der Inhalt dieser Seite verstösst gegen die Regeln des Jugendschutzes”, lese ich da. Ich klicke noch mal. Ein neues Fensterchen: “Indizierter Begriff: Sexkontaktheftli”.
Ja also bittesehr. Klar, ich war am Neujahrstag im Thurgau, und da liegen halt einfach Sexkontaktheftli rum. Was kann ich dafür? Die sollen besser den Zugang zum Thurgau sperren als zu diesem Blog. Das wäre dann wirklich Jugendschutz. Bevor ich mich fertig hintersinnt habe, ist die Zeit abgelaufen. Und das Postauto fährt. Der Chauffeur flucht laut. Die Strasse ins Eigenthal ist halt eng. Er flucht wie Emil. Ich merke, dass Emil schon nicht einfach ein Schweizer Komiker war, sondern ganz speziell auch ein Luzerner. “Jo was machsch etz? Was machsch etz was? Fahrsch ächt zrogg? Lueg etz fahrter zrogg. Jo, fahr nome, gopferteli nomol, jo jo, fahr nome.” So geht das die ganze Fahrt. “Was, deet chond nomol eyne? Jo verreckte huere Souseich. Jo chasch dänkä dass ech zrogg fahre. Jo chasch dänkä, domme Siech dä. Jo jo, zrogg! Fahr nome zrogg! För was horni de do di ganz Ziit? Gopferteli nomol.”
Der Chauffeur hat aber auch den Funk auf laut gestellt die ganze Zeit. Nicht, dass er mit jemandem funkte, aber die andern funken. “Hesch öppen’es Billett förs AC/DC-Konsäärt?” “Secher ned, isch jo uusverchouft.” “Äbe drom frogi dänk.” “Aha.” “Jo dänk.” “En alte Maa wie du muess sowiso nömme an es AC/DC-Konsäärt.”
Zurück in Luzern kauf ich mir beim Bachmann noch etwas Feines. So ein Rahmtörtchen, so ein portugiesisches. Sind nicht angeschrieben. Aber ich weiss noch halbwegs, wie sie heissen. “So ein Pasteis de Nata bitte.” “Was?” “Ein Pasteis de Nata, so eins da.” “Aha, es Schnäfeli.” “Aha, Schnäfeli sagen Sie denen.” “Joo. Das send haut so Rahmtörtli os Portugau.” “Ja eben. Die heissen glaubs eben Pasteis de Nata.” “Puuh, ke Aahnig, ech säg dene eyfach Schnäfeli.” Ja du bist mir auch ein Schnäfeli. Sag ich später zu jemandem. Werd ich noch oft sagen in Zukunft.
Am Bahnhof machen sich ein paar Junge mit ein paar Fahnen und Schals auf den
Weg. Flüchten vor der drohenden Fasnacht. Ja spielt denn der FCL? Das wüsste ich. Ich geh jetzt aber nicht noch einmal extra ins Internet. Die FCL-Seite kann ich sicher auch nicht öffnen vom Touristoffice aus. Da steht sicher irgendwo etwas mit Sex drin. Aber am nächsten Tag erfahre ich, dass die zum Eishockey nach Faido gefahren sind. 50 Zuschauer hatte es da, etwa 7 davon hab ich gesehen. Wir gehen unterdessen in den Ausgang ins Dorf und wieder zurück. Auf dem Billettautomaten steht eine ägyptische Dose Stella. Habe ich nie zuvor gesehen oder getrunken. Passt aber farblich extrem gut zum Billettautomaten.
Wieder in Luzern, merken wir, dass uns die Getränke ausgehen. Es ist aber schon spät. Da passieren wir – ein Wunder fast! – einen Selecta-Automaten mit allem drin, was für die Jugend verboten ist: Bier, Zigaretten. Nur die Sexkontaktheftli fehlen. Jetzt haben die das so gemacht, dass man nach dem Zahlen kurz seine ID durch einen Schlitz ziehen muss. Wenn man dann das richtige Alter hat, gibts Getränke. Bei mir funktioniert es aber nicht. Ich werde fast wahnsinnig. Das können sie nicht machen, einen solchen Automaten aufstellen, und dann geht es nicht. Immerhin,
unsere Freunde wohnen in der Nähe und haben im Kühlschrank noch eine Dose für drei Personen. Wir verteilen das Bier auf drei Gläser: ein kleines Hochdorfer-Glas, einen Von-Wunster-Stiefel und eine alte Sonnenbräu-Stange.