Archive for December, 2009

“This is Bagdad!”

Tuesday, December 29th, 2009

Leser Etoile Carouge hat uns verdankenswerterweise auf folgenden fünfminütigen Videobeitrag hingewiesen, in dem der Schweizer Fussball in den seltenen Genuss einer unvoreingenommenen Aussensicht kommt. Vom zwischenzeitlich geäusserten und hier als Beitragstitel verwendeten Urteil “This is Bagdad, this is Central Bagdad!” sollte man sich aber nicht abschrecken lassen. Es ist im Gegenteil davon auszugehen, dass die amerikanischen Matchbesucher wieder kommen werden. Und Freunde mitbringen. Viele Freunde. In diesem Sinne: Here we go!

Als ich mit Beckenbauer spielte

Saturday, December 26th, 2009

Im Sommer 1977 – ich war 12 Jahr alt – war die Aufregung gross in unserem Dorf. Der Fussballgott Franz Beckenbauer wollte sich bei uns niederlassen. Eben erst hatte er einen sagenhaften Vertrag mit New York Cosmos abgeschlossen, für welche beckenbauerer die nächsten drei Jahre zusammen mit Pelé spielen sollte. Die Millionen wollte der Kaiser aber nicht mit dem deutschen Fiskus teilen und einigte sich stattdessen mit den Behörden des Kantons Obwalden. So würde seine Famile also in die oberste Etage des “Hochhauses” einziehen (so genannt, weil es weit und breit das einzige seiner Art war). Das Haus, in dem ich wohnte, stand direkt daneben. Erst kamen die Möbel und kurz darauf die Blutmeute des “Blick”. Weil sie nicht eingelassen wurde, schickte sie kurzerhand den Automechaniker von nebenan, damit dieser an der Wohnungstür klinge, während sich die sprungbereiten Reporter auf der Treppe verstecken konnten. Bald kehrte aber der Alltag ein, und man traf sich mit des Kaisers Söhnen auf dem Spielplatz, oder wir spielten im geräumigen Wohnzimmer der Familie Beckenbauer Tischfussball und tranken Limonade. Stefan, der jüngere, war frech, spuckte Mädchen an (auch ältere!), und ich fand, dass er auch sonst ein feiner Kerl war. Michael, gleich alt wie ich, war still und etwas wehleidig.

Ich war ein schlechter Fussballer, eine klassische Nummer 13 (zweiter Einwechselspieler). Ich spielte rechter Aussenverteidiger und hatte Angst, den Ball zu bekommen. Ich stellte mich, wann immer möglich, neben einen Gegenspieler. So war ich gedeckt, und keiner kam auf die Idee, mich anzuspielen. Stefan war ziemlich talentiert und spielte deshalb in Luzern. Er hat es später beim FC Saarbrücken zum Bundesligaprofi gebracht, für die ganz grosse Karriere hat es aber nicht gereicht. Michael dagegen war nicht so gut und spielte mit mir bei den C-Junioren des Dorfvereins. Er hat öfter geweint nach einem harten Zweikampf oder wenn ihm etwas misslang. Einmal  fuhren wir abends mit unseren Fahrrädern vom Training nach Hause, als er bei einem Bahnübergang mit dem Vorderreifen in die Schiene geriet und stürzte. Er hatte sich ziemlich aufgeschürft und heulte. Ich weiss nicht, was mich mehr ärgerte: das Heulen oder dass er zu blöd war, um über die Gleise zu fahren. Er tat mir aber auch leid, und ich kehrte um und wartete auf ihn. Im Grunde war er mir sympathisch, weil er – wie ich – alles andere als ein Held war. Mein Glück war, dass mein Vater nicht Franz Beckenbauer hiess. Ich frage mich, was aus Michael geworden ist. Es wäre schön, wenn er sich wieder einmal bei mir melden würde. Wir könnten gemeinsam etwas unternehmen. Eine Radtour, vielleicht.

(von Markus, heute nicht mehr im Dorf wohnhaft)

3 neue Stadionpostkarten

Wednesday, December 23rd, 2009

Kurz vor Festbeginn sind drei weitere Stadionpostkarten aus der Knapp-daneben-Serie fertig geworden: Hardturm (Kd 06), Cornaredo (Kd 07) und Joggeli (Kd 08), alle 50er Jahre s/w.

Karte kostet 1.50/Stk zzgl. Porto (bis 10 Karten 1.-, ab 11 Karten 1.30).

Ebenfalls weiterhin erhältlich: Maladière 2002 (Kd 01), Hardturm 2008 (Kd 04), Charmilles 1951 (Kd 05). Ausverkauft: Letzigrund by night (Kd 02), Letzigrund by day (Kd 03).

Bestellungen an knappdaneben ( at ) gmail.com

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Do they know?

Monday, December 21st, 2009

Es braucht keine grenzenlos fundierten Kenntnisse der Premier League, um das hier unterhaltsam zu finden:

Frohes Fest und bis bald, unter dieser Adresse.

Bücher zu Weihnachten

Friday, December 18th, 2009

Damit kann sich auch nicht jedes Buch rühmen: dass es in der NZZ gleich zweimal prominent besprochen wird, beide Male mit farbiger Abbildung des Buchumschlags. Dem “Hardturm” kommt diese Ehre zuteil: Nach einer schwärmerischen Rezension im Zürich-Bund kurz nach Erscheinen folgt heute die etwas gedämpftere auf der “Sportbücher”-Seite im Sportteil. “Der Hardturm” wird dabei nun mit dem “nach wir vor empfehlenswerten” Espenmoos-Buch von 2008 verglichen, was ein bisschen doppelt fies ist. Weil an das Espenmoos-Buch heranzukommen auch doppelt schwierig ist: Es ist nämlich nicht nur grossartig, sondern auch längst vergriffen und entsprechend begehrt.

Nun denn. Auf der selben Sportbücherseite würdigt Heinz Stalder heute auch das “Stadion Allmend“, indem er den Fokus stark auf die darin breit vertretene Fanszene legt (aus deren Innerem das Buch ja auch stammt):

Luzerner Löwen jagten die Tiere aus den Wappen der Gegner, (…) Anfeuerungs- und Spottsprüche wurden in wilden Rhythmen zusammengestellt und umformuliert. Feuerwerk wurde gezündet, die Allmend mit bengalischem Licht eingeräuchert. Die Offiziellen auf den Holzbänken und Schalensitzen (…) entsetzten sich oft, freuten sich aber insgeheim über die Kreativität der immer schon sehr eigenständigen Fans auf den Stehrampen der gegenüberliegenden Tribüne. Worüber sollte man sich auch allzu sehr echauffieren?

Wer noch weitere sinnvolle Geschenktipps braucht, kann gerne die Kategorie “Bücher” auf diesem Blog anklicken oder, um den Begriff der Sinvölle zu strapazieren, sich hier gütlich tun.

Ergic zu Enke, Deisler und Schwäche

Friday, December 18th, 2009

Von Ivan Ergic, heller Kopf in Diensten von Bursaspor, ist heute ein erstaunlicher Aufsatz mit dem Titel “Fussball, Machos und Depressionen” zu lesen:

Der Sportler wird so geformt, dass er nicht erkennt, dass noch andere Möglichkeiten existieren. So wird er ängstlich und verbissen zugleich: Er erfährt sich nur so lange selber, wie er Erfolg hat.

Über den zweiten Satz, in dem Ergic jeden Selbstmord vorschnell auf die Zwänge des “modernen Lebens” zurückführt, liesse sich noch diskutieren. Trotzdem gehört dieser Text an jeden Spind. Fragt sich nur, ob dort noch Platz ist neben all den scharfen Bildern und kecken Sprüchen. Und ob überhaupt irgendeiner Lust hat, sich mehr als 20 Minuten mit Lesen zu beschäftigen.

Heute Dok: Les arbitres

Wednesday, December 16th, 2009

Heute um 21.10 auf SF2, nach Basel-Fulham. Lohnt sich ziemlich. V.a. die Szenen, wo die Angehörigen auf dem Sofa vor dem Fernseher sitzen und jubeln. Aber nicht für ein Team, sondern wenn ihr Ehemann, Vater, Bruder als Schiedsrichter eine strittige Szene richtig beurteilt hat. Übrigens: Kurt Röthlisberger kommt in diesem Dok nicht vor.

Was macht eigentlich …

Tuesday, December 15th, 2009

… Kurt Röthlisberger? Ist Kurt Kellner im Kafé King? Nein! Er macht im Aargau aus Blaufahrern Engel. Keine schlechte Idee. Findet auch Fredi, der im “Schweiz aktuell”-Beitrag erzählt, wie sie sich damals mit 18 im FC Rennen geliefert hätten, wenns an die Spiele ging.

Félicitations

Monday, December 14th, 2009

Allez_LS2

Kino

Friday, December 11th, 2009

EricExtrem hoher Frauenanteil gestern. Gutes Unterhaltungskino. Die Geschichte selbst für Loach-Verhältnisse manchmal etwas platt. Die ganzen Fussballsachen dafür nie peinlich. Und die Originaleinspielung von Cantonas erstem Spiel nach der Sperre könnte ich mir glaubs ca. 345 x anschauen, ohne emotional abzustumpfen. Wer übrigens den einen Stiefsohn des Pöstlers in seiner ersten grossen Rolle sehen möchte, leihe sich doch “Shameless” aus. Praktisch ohne Fussball, aber grandios. Eignet sich für die Festtage, jeden Abend eine Folge. Damit nicht zu viel Gemütlichkeit aufkommt.