Archive for November, 2009

Hipp Hipp Hibs!

Sunday, November 8th, 2009

Vorgestern schenkte mir ein Berliner Bekannter die Single “Sunshine on Leith” der Proclaimers. Die gehöre in eine gute Sammlung von Fussballsongs. Fussballsongs? Tatsächlich ist “Sunshine on Leith” nicht nur ein nackenhaarsträubend schönes Lied, sondern seit Jahren auch die inoffizielle Hymne von Hibernian Edinburgh. Und wenn deren nicht unbedingt erfolgsverwöhnte Fans – wie nach dem 5:1 League-Cup-Sieg gegen Kilmarnock 2007 in Hampden – sich zum Chor formieren, dann nistet sich “Sunshine on Leith” in den Gehörgängen ein und zwar unwiderruflich.  ”While I am worth – my room on this earth!”

Looking for … social romance

Sunday, November 8th, 2009

Die NZZamSonntag heute zu Ken Loachs “Looking for Eric”:

Wie vielen linken Intellektuellen – erinnert sei an den hagiografischen Maradona-Film von Emir Kusturica oder an die grassierende Südkurvenromantik in der Zürcher Kulturszene – dient Loach der Fussball als Projektionsfläche für Solidarität und soziale Gerechtigkeit.

GC, SG, Hans was Heiri?

Friday, November 6th, 2009

Wie doch einigermassen allgemein bekannt, wurden nach dem Spiel St. Gallen – GC vom 28.10.09  erstmals Fans dem Schnellrichter zugefügt, acht an der Zahl, alle von GC. Erstaunlich dabei: Als sieben von ihnen schliesslich verurteilt wurden, waren es plötzlich “St. Galler Fussballfans”. Zumindest für die Tagesschau.

Noch ein Lesetipp …

Friday, November 6th, 2009

… diesmal druckerschwärzefrei: Der Sport-aktuell-Blog. Besonders empfehlenswert der Text zu OM-FCZ. Zwei Schritte ins Ausland, und beim Schweizer Fernsehen wird aus Hooliganismus Leidenschaft. C’est fantastiggö.

Ja, genau, als die Mannschaft jeweils mindestens eine Stunde in der Kabine verharren musste, weil draussen eine Horde wildgewordener OM-Fans mit Rotwein und Fäusten auf die Spieler wartete. Rainer H.M. strahlte: Das ist eben noch Leidenschaft!

Bitzli Heftli lesen

Friday, November 6th, 2009

Ein junger Südamerikaner spielt seine drei Stunden pro Tag, bei uns geht ein Neunjähriger zweimal ins Training und steht dabei noch die Hälfte nur herum. Spielsituationen lesen können, richtige Entscheidungen treffen, das lernt man nur in Spielformen.

Wer das ganze, lange Interview mit Hansruedi Hasler, dem eben abgetretenen Technischen Direktor des SFV, lesen möchte und noch viel Gutes mehr zum Titelthema “Fussball-Schule”, soll das neue Tschuttiheftli kaufen. Und dann gleich abonnieren.

Gut zum Druck

Friday, November 6th, 2009

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Entsteinte Altersvorsorge

Wednesday, November 4th, 2009

DSC01725Sein Marktwert wird zwar noch immer mit 6 Millionen Franken beziffert, aber wer gegen die 35 geht, tut trotzdem gut daran, die Zukunft zu planen. Während seine ehemaligen Nati-Kollegen Rinder züchten, sichert sich Hernàn seine Altersvorsorge mit der Produktion und Entsteinung von schwarzen Oliven. Das ist gar nicht so dumm. Entsteinte schwarze Oliven kann man fast überall einsetzen: beim Salade niçoise, auf der Pizza, in der kroatischen Tintenfischsauce oder ganz einfach als Apérosnack. En guete mitenand!

Спортивная

Tuesday, November 3rd, 2009

pieter1Kurzferien in Sankt Petersburg. Ein Luxus. Nun gibt es bei Städtereisen ein paar Fixpunkte, die ich einzuhalten versuche: Kino, Flohmarkt, Fussball. Letzterer wird in Petersburg auf einer kleinen Insel im Fluss gespielt, wo das Stadion Petrovsky steht. Die Heimstätte von Zenit Sankt Petersburg ist ein dachloses Rund aus den zwanziger Jahren, überragt von den grössten Lichtmasten der Welt. Also auch grösser als diejenigen im alten Letzigrund. Mein Schweizer V-Mann in Russland hat uns für das Spiel gegen die Kaukasier von Spartak Naltschik Tickets auf der Haupttribüne besorgt. Naltschik ist zwar ein Profiverein (voller Name: Professionalni futbolni klub Spartak Naltschik), in der Tabelle der Российская футбольная премьер-лига aber weit hinten klassiert und daher für den Titelaspiranten aus der Zaren- und Touristenhochburg ein erhofftes Kanonenfutter. Beim Versuch, zu unseren Plätzen zu gelangen erhalten wir als erstes eine Lektion in Sachen Polizeipräsenz im Stadion. Drei Kontrollriegel müssen durchdrungen werden, der letzte davon beim Aufgang zur Tribüne. Es ist das einzige Mal während der fünf Tage im Russland, dass mich mein Freund anweist, jetzt bitte nicht Schweizerdeutsch mit ihm zu sprechen, sondern einfach zu schweigen.

Alle 22’000 Plätze im Stadion scheinen besetzt. Die Nevsky Front und ihre Jünger machen ordentlich Stimmung. Über jeder Tribüne ragt eine überdimensionale Videowand, die das Spiel live überträgt. Die Geschichte dazu ist folgende: Vor ein paar Jahren kam ein edler Mann auf den Club zu und sagte, er würde diese Videowände gratis spendieren, aufstellen und betreiben. Ok, dachte der Club. Der Spender installierte postwendend seine Videowände, auf Drehsockeln. Ist nämlich praktischer, weil dann kann er, wenn grad kein Spiel ist (also meistens) die Wände um 180° drehen und in jede Himmelsrichtung den ganzen Tag richtig tolle Werbebotschaften für richtig tolle Produkte laufen lassen. Und wahrscheinlich ordentlich was verdienen dabei. pieter2

Beide Teams zeigen von der ersten Minute an schnellen und technisch hochstehenden Ostblock-Fussball. Der russische V-Mann meines Schweizer V-Manns erklärt uns während des Spiels ein paar Eigenheiten des Dargebotenen. So geht zur Zeit offenbar ein tiefer Graben durch die Zuschauerreihen Zenits. Die Fankurve verwünscht den vor kurzem aus Moskau zurückgekehrten (in ihren Augen abtrünigen) ex-Zenit-Jungstar Vladimir Bistrov mit wüsten Gesängen und zahlreichen Transparenten. Der Rest der Fans im Stadion stimmt mehrmals lautstarke “Vova-Vova”-Gesänge an. Vova als Kosename für Vladimir. Die beiden Lager bekämpfen sich mitunter auch handfest. Das sieht dann wohl etwa so aus.

In der Pause geniessen wir Gastrecht in einer kleinen Vodka-Bar im Tribünenbauch. Dort stossen wir ein paar Mal an, testen allerlei Fischköstlichkeiten und trinken auf den FCZ. Auch der FC Zenit bedient sich dieser Abkürzung und am Souvenirstand finden sich zahlreiche Artikel, die wir nun praktischerweise auch in Zürich tragen können. Der russische V-Mann erzählt uns stolz von einem Freund, der letztes Jahr “die goldene Reise” absolviert habe. Diese Auszeichnung erhalten in Petersburg Fans, die in einer Saison sämtliche Auswärtsspiele von Zenit besucht haben. Wir verschaffen uns Respekt, indem wir erwidern, dass wir ihren FCZ schon vor sieben Jahren einmal beim Gastspiel im Hardturm gesehen haben. Wir platzierten uns damals inmitten der Zenit-Fans. Einige von ihnen waren ziemlich mitgenommen von der 40-stündigen Bus- und Trinkfahrt. Beim verlassen des Hardturms sahen wir eine Frau mit einem Zenit-Zottelhut, auf dem “Crazy Fan” stand. Das sah blöd aus, sehr blöd. Seither ist Crazy Fan für uns ein stehender Begriff für Zuschauer mit Zottelhüten oder farbigen Perücken oder Sponsorenfähnchen oder Lederhandschuhen und Lendenschutz. pieter3

In der zweiten Halbzeit nimmt sich das Heimteam meinen liebsten russischen Fangesang “v’piriod!” (nach vorn!) zu Herzen und erzielt das verdiente 2:2. Zu mehr reicht es nicht mehr, was die Zuschauer aber nicht sonderlich erzürnt. Eine Schlussbemerkung noch für alle, die bis hierher durchgehalten haben: Das Kino Rodina ist sehr schön und der Flohmarkt bei der U-Bahn-Station Udelnaja gross und wild.

Keller, Sutter, Zukunft

Tuesday, November 3rd, 2009

Wer mit einem Ohr und einem Auge die jüngsten Ereignisse rund um Schweizer Fussball- und Eishockeyspiele und vor allem deren mediale und politische Nachbetrachtungen verfolgt hat – so z.B. eben gerade die Sportlounge – kann eigentlich nur zu einem Schluss kommen: Diesmal machen sie ernst. Vereine, die ihren Fans Stehplätze zugestehen und bei gelegentlichem Feuerwerk ein Auge zudrücken, werden sich warm anziehen müssen. Mit dem Bundesgerichtsurteil zur Kostenüberwälzung von Polizeieinsätzen verfügt die Politik über das ideale Druckmittel. Wir schauen einer interessanten Zeit entgegen.

Veranstaltungshinweis St. Gallen

Monday, November 2nd, 2009

Die vorzügliche Veranstaltungsreihe “Stadion trifft Stadt” des St. Galler Fan-Dachverbandes DV1879 startet in die kalte Jahreszeit mit einem heissen Thema (billiger adjektivischer Sauna-Effekt): Fans, Sicherheit, Repression. Das Podium ist gut besetzt und dürfte weit über die St. Galler Stadtgrenzen hinaus interessieren. Wer also grad in der Gegend ist: Mittwoch, 4.11.09, 19.30, Grabenhalle St. Gallen.