Archive for May, 2009

Danke II

Monday, May 18th, 2009

Zur Vorgeschichte: Ich heirate am 29. Mai. Für einen FCZ Anhänger ein unpassendes Datum, da ja bekanntlich an diesem Tag die Meisterschaft beendet wird und der FCZ wahrscheinlich gegen GC den Meistertitel holt. Aber a) Fussball ist nicht alles im Leben und b) kannte ich den verdammten Spielplan ja Anfangs Jahr noch nicht. Und wer weiss, wenn die Grossmutter von Herrn Zloczower an diesem Tag Geburtstag gehabt hätte, dann wäre das Spiel vielleicht auf den Samstag verlegt worden. Egal, jedenfalls war ich am Sonntag ziemlich nervös, weil für einmal auch mein privates Glück ein bisschen mit dem FCZ verbunden war. Mich ärgerte es auch weniger, dass der FCZ nicht Meister geworden ist, sondern vielmehr, dass er jetzt Meister wird, wenn ich zum Hochzeitstanz ansetze. Zwei Bier nach dem Spiel beruhigten mich und ich machte mich leichten Fusses auf den Weg nach Hause. Im Tram dann die Überraschung: Hinter mir sitzt doch tatsächlich Christian Gross. Es ist ja eigentlich nichts aussergewöhnliches, dass man in Zürich Prominente auf der Strasse trifft. Meine Zukünftige fuhr zum Beispiel mal mit dem Fahrrad über Moritz Leuenbergers Füsse. Aber der Trainer des FC Basels eineinhalb Stunden nach dem Spiel im Tram durch den Kreis 4? Wo er doch aus seiner Zeit in London wissen sollte, dass der ÖV auch so seine Tücken hat.

Zuerst war eigentlich alles friedlich. Nach zwei Stationen jedoch wusste auch der Letzte im Tram, dass Christian Gross mitfuhr. An der Zypressenstrasse stiegen zwei eher grimmige Fans kurz aus, um ihren Aggressivleader ins Tram zu holen. An der Haltestelle Kalkbreite herrschte schliesslich eine eher ungemütliche Stimmung im Tram. Die bösen Jungs stiegen aber alle aus. Dann aber will der Aggressivleader die Situation doch noch ausnutzen und versucht wieder, ins Tram und zu Christian Gross zu gelangen. Da ich direkt an der Tür stehe, schubse ich ihn zurück. Dafür kriege ich eins in die Fresse. Dann wird noch ins Tram gespuckt und die Tür geht wieder zu. Christian Gross hat an diesem Sonntag also nicht nur meine Hochzeit torpediert, ich habe als Dank auch noch eine eingefangen. Zum Glück ist mir nichts passiert – hätte Scheisse ausgesehen, wenn ich mit einer Gesichtsmaske hätte heiraten müssen. Und was ist die Moral von der Geschichte? Das nächste Mal nehme ich wieder das Velo, das wird eventuell sogar von der Polizei gewaschen.

Danke!

Sunday, May 17th, 2009

Heute hat mir der Wasserwerfer vor dem Letzigrund mein Velo gewaschen. Darüber freue ich mich sehr, ich hätte es nämlich sonst selber bald tun müssen. Es war sehr dreckig. Dass die Wucht des Wasserstrahls meinen Gaul grad auch noch ein bisschen durch die Gegend geschleudert hat, das nehm ich jetzt mal nicht persönlich. Hingegen war es ein bisschen mühsam, meine Fussballsachen zusammenzusuchen und auszuwringen. Die hatte ich nämlich in einem Migros-Papiersack auf dem Gepäckträger gelassen aus Angst, bei der Eingangskontrolle könnten sie mir die Nockenschuhe als gefährliche Waffe konfiszieren. Ja der Migrossack. Ich habe noch gedacht zuhause: Ist das eine gute Idee? Und wenn ein Gewitter kommt? Aber ich musste pressieren, und der Plastiksack von der Apotheke war zu klein. Das ist mir jetzt eine Lehre. Morgen kauf ich mir eine Sporttasche. In neutralen Farben.

Simulierender Ballbub

Friday, May 15th, 2009

Nach dem globalen Siegeszug der italienischen Küche scheint sich nun auch die italienische Art der übertriebenen Schmerzperformance international durchzusetzen. Und zwar auch ausserhalb der Spielfeldbegrenzung, wie ein Beispiel aus der tschechischen Liga zeigt. What an Inzaghi!

Hooliganspezialist: keine Zunahme der Gewalt

Friday, May 15th, 2009

“Die Aufmerksamkeit der Medien führt dazu, dass man das Gefühl hat, die Gewalt steige. Tatsächlich nimmt sie nicht zu”, sagt Christoph Vögeli, der Leiter der Zentralstelle Hooliganismus, im Tages-Anzeiger vom 14. Mai 2009.

Diesen Satz aus dem Munde eines der grössten Hardliner der Schweiz muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Den ganzen Text unter dem Titel “Hooligangesetz radikalisiert Fans” gibt es hier (inkl. flackernde Werbung für Luzerner Rahmkäse…).

“Rechte Hegemonien”

Monday, May 11th, 2009

Im aktuellen ballesterer ist ein Interview zu finden mit dem deutschen Politikwissenschafter Jonas Gabler, der ein Buch über italienische und deutsche Ultra-Kulturen und ihre Unterschiede geschrieben hat. Das Buch hab ich mir mal bestellt, werde es an dieser Stelle später mal noch besprechen. Vorab aber sei die Lektüre des kurzen Interviews empfohlen, am besten mittels Kauf des ballesterer oder dann halt hier. Ein Auszug:

Ist die deutsche Fankultur auf dem Weg zu italienischen Verhältnissen?

Nein. Wenn man von italienischen Verhältnissenin Deutschland spricht in Bezug auf Gewalt oder Rassismus im Stadion, ist das Angstmacherei. Hinter der verstärkten Hinwendung zum Rechtsextremismus in der italienischen Ultrà-Kultur, die als eher linksextreme Bewegung angefangen hat, steckt eine Entwicklung von 20, 25 Jahren. Wir haben es dort mit einer Subkultur zu tun, die in sich gefestigter und abgeschlossener ist als in Deutschland. In Italien haben sich mittlerweile rechte Hegemonien – wie es die Sozialwissenschaft nennt – entwickelt, und damit ist ein Punkt erreicht, an dem es ganz schwer ist, dagegen vorzugehen. Natürlich sind in solchen Gruppen nicht nur überzeugte Rechtsextreme, für die es um Politik geht. Für manche ist das eben Teil ihrer Fanidentität. Sie identifizieren sich mit bestimmten Idealen wie Stärke, Männlichkeit und Ehre.

Jonas Gabler: »Ultràkulturen und Rechtsextremismus. Fußballfans in Deutschland und Italien« (PapyRossa 2009)

Highly inflammable

Saturday, May 9th, 2009

An alle potentiellen Landesmeister dieses Frühlings: Die Feier der Corinthians zeigt, wie man es besser nicht machen sollte. Und wenn es unbedingt brennen soll bei der Pokalübergabe, so sollte man vielleicht die Fans machen lassen. Die haben in der Regel mehr Erfahrung.

“We are the firm!”

Friday, May 8th, 2009

Crvena Zvezda

Friday, May 8th, 2009

Kürzlich war zu lesen, dass Roter Stern Belgrad vor dem Konkurs steht. Der Verein, Meistercupsieger von 1991, soll 25 Millionen Euro Schulden haben, was für serbische Verhältnisse eine gigantische Summe ist. Sein Ende ist ein verspätetes Requiem auf das längst untergegangene Jugoslawien: Der Klub, bis in die achtziger Jahre ein Spielzeug der Partei und des Geheimdienstes, nahm für sich in Anspruch, den Vielvölkerstaat zu repräsentieren. Roter Stern Belgrad wollte ein Teamwork von Slowenen, Kroaten, Bosniern, Serben, Albanern, Montenegrinern und Mazedoniern sein im Namen des sozialistischen Fortschritts. 1991, als bereits Panzer durch Jugoslawien rollten, kam der Klub diesem Ideal am nächsten: Im Meistercupfinal gegen Marseille in Bari standen unter anderem mit Robert Prosinecki ein Kroate, Sinisa Mihailovic ein Serbe, Darko Pancev ein Mazedonier und Dejan Savicevic ein Montenegriner im Team.

Ich habe diesen Klub immer gemocht, er ist meine erste Liebe. Ich habe bis heute an ihm festgehalten, auch wenn es in den letzten 20 Jahren viele Gründe gab, mich loszusagen: Die nationalistische Wende der Delije, der Ultras des Vereins. Den Kriegsverbrecher Zeljko Raznatovic alias Arkan, der es vom Kleinkriminellen über den Capo zum Anführer einer Freischärlertruppe, die sich hauptsächlich aus der Kurve rekrutierte, gebracht hatte. Die mafiösen Strukturen des Vereins, die heute von der Staatsanwaltschaft untersucht werden. Die Tragödie von Roter Stern Belgrad hat derzeit auch eine komödiantische Note: Die Delije, in der Zwischenzeit eine kriminelle Vereinigung, rufen zu Spenden zur Rettung des Vereins auf.

Die Nachricht vom bevorstehenden Konkurs rief mir in Erinnerung, warum ich eigentlich an diesem Verein festhalte. Ich hatte diesen Entscheid in meiner frühen Kindheit gefällt. Mein erstes Spiel in einem richtigen Stadion war Zeljeznicar Sarajevo gegen Olimpija Ljubljana, zu dem mich mein Grossvater mitnahm. Ich war tief beeindruckt von den vielen fluchenden, rauchenden Männern, die ihren Unmut über das offenbar erbärmliche Spiel mit Pfiffen kund taten. Doch das Initiationsritual meines Grossvaters schlug fehl. Ich wurde kein Fan von Zeljeznicar. Darko hat es verhindert.

Darko war ein Nachbarsbub, mit dem ich in meinen ersten drei Lebensjahren in Sarajevo oft spielte. Als er mich einmal fragte, welche Mannschaft mir am besten gefalle, wusste ich keine Antwort. Dann zählte er vier Vereine auf, und ich musste mich entscheiden: Dinamo Zagreb, Hajduk Split, Partizan Beograd, Crvena Zvezda Beograd. Ich wählte Crvena Zvezda, weil mir der Klang des Namens am besten gefiel. Für westeuropäische Ohren mag Crvena Zvezda hölzern, ja hart tönen. Im Serbokroatischen klingt er lieblich. Wahrscheinlich strahlten meine Augen damals so, wie es heute diejenigen meiner Tochter tun, wenn ich ihr davon erzähle, dass Eric Hassli ein Tor geschossen hat. Sie spricht dessen Namen nicht kurz und streng als Hassli aus, sondern melodiös als Haseli.

Die Erklärung

Thursday, May 7th, 2009

“Ingen strandkanten på broen Stanfoerd - Mot kynisk fotball!”

Das ist Norwegisch und heisst: “Keine Elfmeter an der Brücke von Stanford – Gegen den zynischen Fussball”. Dieser Spruch, so weiss unser Vertrauensmann in Skandinavien, steht über der Haustür von Tom Henning Övrebö, dem Schiedsrichter, der gestern Abend Chelsea-Barça geleitet hat. Das erklärt natürlich einiges, wenn nicht alles.

Der Fussball hat gewonnen, gegen seine eigenen Regeln, und der Masterplan stammt aus dem Hause Övrebö. Das erzählen wir unsern Kindern!

Knapp daneben beim FCW

Wednesday, May 6th, 2009

Die Reise geht weiter. Nach Zürich, St. Gallen und Luzern folgt nun der nächste Halt: Libero-Bar im Stadion Schützenwiese, FC Winterthur. Und zwar am nächsten Mittwoch, dem 13. Mai 2009.

Das Programm: ein Abend rund um das Buch “Knapp daneben – Aus den Randgebieten des Fussballs”. Die Texte aus dem Buch werden vertont durch passende Musikbeispiele aus der Welt der Fussballschallplatten und ausgeschmückt mit Anekdoten, Bekenntnissen und Halbwahrheiten aus dem Fundus von “Knapp daneben”. Beginn: 20.00 Uhr. Kühle Getränke aus grossen Gläsern an der Bar. Freundliches Servicepersonal. Sehr schöne Innenausstattung.

Herzlich willkommen!