Archive for April, 2009

Neues zu “Knapp daneben”

Friday, April 17th, 2009

Hier rechts nebenan gibts Aktuelles zum Buch “Knapp daneben – Aus den Randgebieten des Fussballs”: Neue Pressestimmen (NZZamSonntag, Zwölf, St. Galler Tagblatt), neue Termine für Lesungen (Chur, Winterthur). Auch verweist die Akademie für Fussballkultur freundlicherweise auf die Veröffentlichung und die Lesetour.

Fussballer verlegen

Thursday, April 16th, 2009

Kennt jemand die Tageszeitung Corriere di Livorno? Wenn nicht, dann vielleicht ihren Verleger: Cristiano Lucarelli, Serie-A-Torschützenkönig mit Livorno 2005 und erklärter Kommunist. Um seiner Stadt etwas zurückzugeben und Arbeitsplätze zu schaffen, gründete der heutige Stürmer der AC Parma (bzw. Parma FC) das Lokalblatt. Dass er als kickender Verleger nicht alleine ist, davon erzählt René Martens auf Zeit-online. Wo wir u.a. auch erfahren, dass ein gewisser Vladimir But heute von Zürich aus russische Literaten unterstützt. Schön anders, das alles.

Fans und ihre Archive

Wednesday, April 15th, 2009

Ein Arbeitskollege aus Luzern wetterte am Mittagstisch “Wegen diesen Idioten, die auf den Platz stürmten, können wir normalen Fans nun ein paar Spiele nicht ins Stadion!” Müsste nicht so sein, wie folgender Matchbericht vom Spiel Wil – GC aus der Auf-/Abstiegsrunde 1993 zeigt:

Vor dem Stadion war schon ein rechter Auflauf als wir eine Stunde vorher eintrafen. Wir standen hinter dem Tor auf Naturstehrampen die mit Kieselsteinen aufgefüllt waren. 5000 Zuschauer drängten in den Bescheidenen Ground. GC saustark, wir saubesoffen. Eine gelungene Kombination. Nach mehrmaligen Platzsturm bekamen einige Leute Ärger. Aber im grossen und ganzen blieb alles sehr friedlich und lustig. Nach dem problemlosen Sieg rannten wir alle miteinander ins Tor und suhlten uns im Netz. Mit leeren Büchsen wurde noch Penaltyschiessen geübt , wobei der Goalie mit der Zeit wirklich wie eine Sau aussah. Irgendwann schleppten wir uns dann zu den Autos.

Diese und andere köstliche Anektoten finden sich im Internet-Archiv der Fangruppe Grassmokers. Besonders empfehlenswert ist der Abschnitt zur Geschichte der GC-Fanszene, wo wir erfahren, dass die ersten Fanclubs im Hardturm so abenteuerliche Namen wie “Schweizer Elite” oder “Danger” hatten. Wiedermal ein Beispiel dafür, dass man die wirklich guten Momente aus der Geschichte der Schweizer Fussballs nicht bei den offiziellen Clubs suchen sollte (Vergleiche: FCZ-History...), sondern in den Archiven von Fans. Und das gilt nicht nur für Zuschauer-, sondern manchmal auch für Clubgeschichte, siehe www.super-servette.ch.

15. April 1989

Wednesday, April 15th, 2009

Y-N-W-A

“In the fuckin’ man!”

Tuesday, April 14th, 2009

Am Bahnhof kaufe ich mir eine kühle Flasche Chodovar, eines meiner Lieblingsbiere. Weil ich nicht zuletzt deswegen Gefahr laufe, eine zu gute Laune mit mir herumzutragen, dämpfe ich die Euphorie mit dem Kauf der aktuellen Weltwoche. Die Titelgeschichte über frustrierte Lehrer beginnt mit einem abschreckenden Beispiel aus Biel: “In der Realklasse 9a im Oberstufenzentrum Madretsch herrschen seit Jahren chaotische Zustände.” Wie lange bleibt eine durchschnittliche Bieler Klasse wohl im 9. Jahr? Ziemlich lange, offenbar.

Dann steig ich in Luzern aus und um auf die ZB nach Kriens Mattenhof. Am Perron bestaune ich die neue Kampagne von bluewin tv. Sie wirbt für Live-Fussball, und zwar so: Julio Hernan Rossi im Dress von Xamax jubelt auf der Leinwand, zwei Männer auf der Couch (man sieht sie von hinten) jubeln ihm zu. Darunter steht: “Stefan und Philipp, Bern, 20.17 Uhr” Das habe ich nicht gewusst. Also dass Xamax in Bern so beliebt ist. Gut, es gibt vielleicht 2-3 Exilneuenburger. Aber die heissen eher nicht Stefan und Philipp. Die Botschaft von bluewin tv ist also: Wenn du männlich bist, in Bern wohnst und Xamax unterstützt, solltest du ein bluewin-tv-Abo kaufen. Ob die Zielgruppe jetzt sehr gross ist, kann ich nicht sagen. 

Auf der Allmend kauf ich ein Billett für den Gästesektor. Dort, beim Eingang, sind eben die letzten Busse aus dem Wallis angekommen. Es steigen und fallen Menschen aus den Karossen, die mit jeder Faser ihres Körpers veranschaulichen, in welche Abgründe eine dreistündige Busreise den menschlichen Organismus zu reissen vermag. Unfairerweise ist der Gästesektor in Luzern für Menschen mit reduziertem Gleichgewichtssinn der gefährlichste Ort überhaupt, besteht er doch zu grossen Teilen aus einer schräg abfallenden, geteerten Fläche, die nirgends Halt bietet. Männer in rot-weissen Textilien verteidigen verbissen ihre persönliche Vertikale, indem sie Schwankungen mit dem Gewicht einer Wurst in der einen und jenem eines Bieres in der andern Hand auszugleichen versuchen. Es macht sich rundherum eine grosse Heiterkeit breit.

Kurz vor Anpfiff ertönt “We will rock you” aus den Boxen. Mein Unterwalliser Nebenmann ist wie elektrisiert. Er singt laut mit: “Cas in the pace, livin the nace, bady i canner and in the fuckin’ man – We will we will rock you!” Dann ziehen die Luzerner ihre Choreografie hoch. “Mais c’est mille fois meilleur que le Kop Nord”, sagt mein Nebenmann zu seinem Kumpel. Überhaupt, die Luzerner: Die haben einen ausgezeichneten Sinn für Melodie und Rhythmus. Selten werden Gesänge so rein vorgetragen, selten bleibt eine Kurve so sicher im Takt wie auf der Allmend. Meine Theorie: die Fasnacht. Die beste Schule für Kollektivgesang.

In der zweiten Halbzeit treffe ich vier Bekannte. Sie haben kein Ticket für den Heimsektor mehr gekriegt. Mit offiziellen und weniger offiziellen Rauschmitteln verschaffen sie sich jenen Ruhepuls, der nötig ist, um nicht plötzlich unbedacht zu jubeln bei Luzerner Treffern. Es gelingt ihnen vorzüglich. Mit dem Schlusspfiff nach 90 Minuten spüre ich ein plötzliches Absacken meines körperlichen Salzgehalts auf ein gefährlich tiefes Niveau. Und so tue ich, was ich die vielen hundert Male zuvor im Stadion noch nie getan habe: Ich esse eine zweite Wurst. Einen zweiten Schüblig. Es sollte mir nicht gut bekommen.

Die Penaltyentscheidung sehe ich vom Sockel des Flutlichtmastens aus, die Bekannten reichen mir netterweise ein letztes Getränk hoch. Danach kippen jubelnde Walliser über den Zaun zu ihren Spielern. Einige werden frivol und rennen Richtung Heimkurve, um den Sieg noch etwas fieser auszukosten. Das reicht dann aber einem kleinen Bataillon Blau-weisser. Vorschriftsgemäss vermummen sie sich und rennen den Wallisern entgegen. All das unter teilnahmsloser Beobachtung der Securitas, die unterdessen den Spielerausgang bewacht. Nach ein paar Tritten und Flätteren ist die Sache gelaufen, der letzte Walliser weggeschickt und das Territorium verteidigt. Dann kommt doch noch die Securitas. Sie hatte so lange gebraucht, weil sie sich erst noch neongelbe Signalwesten besorgen musste.

Draussen bleibt es ruhig. Am schönsten Wasserwerfer der Schweiz vorbei besteige ich den Bus. Dann den Zug. Ich bin froh, hab ich die Allmend noch einmal lebend gesehen.

Stimmung ist gut für die Stimmung

Friday, April 10th, 2009

Der FC Bayern ist ein interessanter Verein. Er ist kaum zu mögen, doch will sich echte Verachtung auch nicht einstellen. Zu vernünftig, zu nachvollziehbar wird in München gearbeitet, zu klar sind die Prinzipien, nach denen gelebt und vor allem gewirtschaftet wird. In einem längeren, lesenswerten Interview lässt die NZZ diese Woche den scheidenden Manager Uli Hoeness zu Wort kommen. Honess sagt unter anderem:

Fans sind wichtig für das Ambiente

Es ist dieser zum Zynismus neigende Realitätssinn, der Honess’ Bayern so bewunderns- wie hassenswert macht. Das ganze Gespräch, in dem auch die legendäre Jahreshauptversammlung diskutiert wird, gibts hier.

Hertha dank Calvin?

Thursday, April 9th, 2009

Eine etwas andere Sicht auf die Schweiz als die gegenwärtig heiss diskutierte bietet die Zeitung Freitag. Ihr zufolge gründet der (bis vor kurzem auszumachende) Erfolg der Hertha nicht etwa auf Lucien Favre, sondern auf dessen calvinistischem Hintergrund. Und auch sonst ist viel Wissenswertes zu lesen:

Im problematischen Verhältnis zu den Stars steckt ein egalitäres Motiv, das in der Historie des Landes fest verankert ist. Die beiden stärksten Manifestationen dieses Gleichheitssinns sind die direkte Demokratie (das Stimmvolk ist der Star) und das Volks-Unternehmen Migros (wir sind alle Genossenschafter).

Wir lassen das alles gern so stehen. Und hoffen einzig, dass mindestens die Bildlegende leicht ironisch zu lesen sei.

Früher war alles gleich – zumindest fast …

Monday, April 6th, 2009

Wenn man in alten Matchprogrammen blättert, trifft man immer wieder auf die eine oder andere Preziose. Die Frage, ob wohl alle Mitglieder der Unterzeichnenden Fanclubs hinter allen aufgeführten Erklärungen standen, lässt sich heute wohl nicht mehr mit Sicherheit beantworten. Vor allem bei der letzten Forderung ist ein dickes Fragezeichen sicher angezeigt …
(Quelle: FCZ-Magazin 20/87)

Grotesker Kurvendialog

Sunday, April 5th, 2009

Die Differenzen zwischen der Zürcher Südkurve und der von ihr abgespaltenen Gruppierung Kreis4 nehmen immer bizarrere Formen an. Während des Spiels gegen Aarau sang die Südkurve mehrmals ihre Adaption des israelischen Volks- und Friedensliedes “Hevenu Shalom Aleichem” (vor wenigen Jahren hab ich das übrigens mal im Hardturm gehört, als “Mir liebed GeeeeCeee über ales”). Jedes Mal, wenn die schöne Melodie ertönte, hielten Leute vom Kreis4 demonstrativ ihre NS-referenzierende Fahne in die Höhe: schwarze 4 in weissem Kreis auf rotem Grund.

(Das kyrillische Transparent hatte offensichtlich einen rein persönlichen Hintergrund, weshalb der Querbezug von gestern gelöscht wird)

Aufgebrachter Superfan

Saturday, April 4th, 2009

Kennen Sie Amigo Orhan? Noch nie gehört? War mir bis vor kurzem auch kein Begriff. Amigo Orhan ist die türkische Ausgabe des spanischen Manolo, eine Art real existierendes Maskottchen mit zweifelhaftem Lebensinhalt. Amigo Orhan also muss einmal ziemlich sauer gewesen sein, nach einem Spiel, und zwar auf den früheren Nationaltrainer Mustafa Denizli. So sauer, dass er ihm auflauerte und ihn ansprang. Und das alles im feinen, rot-weissen Zwirn. Mehr kann ich dazu leider nicht sagen, weil ich kein Türkisch verstehe, aber schauen Sie selbst: