Archive for April, 2009

BWIS: ein verhältnismässiger Salat

Wednesday, April 29th, 2009

In Zürich sind vor dem Spiel gegen YB je 50 Leute vor dem Stadion Letzigrund aufeinander losgegangen. Alles FCZ-Fans. Eine Art Klarstellung, interne Abrechnung. Im Tages-Anzeiger ist dazu zu lesen. Unter anderem auch dies hier: “Für Aussenstehende ist erstaunlich, dass niemand verhaftet wurde.” Allerdings. Denn die Polizei war präsent. Es wird ihr nachgesagt, sich bewusst zurückgehalten zu haben. Das bestreitet Stadtpolizeisprecher Cortesi. Er sagt aber gleichzeitig: “Die Polizei verhaftet Personen, wenn eine Straftat vorliegt und es verhältnismässig ist. Beides war nicht der Fall.” So so. Zwei Anmerkungen vielleicht.

Zum einen: 5. Dezember 2004. Die Zürcher Polizei verhaftet in einer gross angelegten Aktion im Bahnhof Altstetten präventiv 427 anreisende Fans des FC Basel. Straftaten und Verhältnismässigkeit?

Zum andern: Für eine Massnahme nach BWIS II (Hooligangesetz) kommt in Frage, wer “anlässlich von Sportveranstaltungen” gewalttätiges Verhalten an den Tag legt. Als Nachweis für gewalttätiges Verhalten gelten laut Art. 21b der Verordnung zum BWIS u.a. “glaubwürdige Aussagen oder Bildaufnahmen der Polizei”.

Herr Cortesi von der Stadtpolizei Zürich sorgt nun aber also für eine ziemliche Verwirrung. Und das wenige Wochen vor der ersten Referendumsabstimmung zum Hooligan-Konkordat (Weiterführung des befristeten Hooligangesetzes nach 2009 als Konkordat der Kantone). Leiden Zürcher Polizisten unter kollektiver Sehschwäche? Oder warum können sie keine “glaubwürdigen Aussagen” machen über ein Ereignis, das sie aus unmittelbarer Nähe verfolgen? Weil sie sich schön “verhältnismässig” zurückhalten? Oder weil sie denken: Ist ja eigentlich halb so wild, solangs keine Unbeteiligten trifft? Haben wir denn am Ende gar kein so grosses Gewaltproblem im Schweizer Fussball, wenn es bei einer schönen Keilerei 50:50 unverhältnismässig wäre, einzugreifen? Da soll noch einer drauskommen. Und das alles bei dem ganzen Zahlensalat von letzter Woche.

“Darling I love you!”

Monday, April 27th, 2009

Dass sich Fussballer wie Herr Djorkaeff im Showbizz versuchen, ist kein neues Phänomen. Dass sie es aber wie die Herren “Glenn & Chris” in die Charts schaffen, bleibt eine Seltenheit. Sehen Sie hier den ehemaligen Nationaltrainer Englands und religiös-geistheilerisch verwirrten Glenn Hoddle zusammen mit dem Ex-Marseillais und WM-Penaltyverschiesser Chris Waddle in “Top of the Pops”. Wie sagt doch so schön der Kommentator am Ende über “Diamond Lights”: “Not a bad song. Not a good song either.”

Von Yverdon nach Chimki

Monday, April 27th, 2009

Das verlängerte Zürcher Sechseläuten-Wochenende verbrachte Leser Urs (wir kennen ihn vom Klassenlager in Yverdon) in Moskau und fuhr am Sonntag in den im Norden der Hauptstadt gelegenen Vorort Chimki, um das Spiel des gegenwärtigen Tabellenletzten gegen den ehemaligen Armeeklub ZSKA Moskau anzuschauen. Die wenigen Highlights der Partie sind auf der äusserst professionell gestalteten ZSKA-Homepage einsehbar. Gespielt wird in Russland bekanntlich nach dem Kalenderjahr, weshalb Mitte April erst die 5. Runde der Saison 2009 stattfand.

Eigentlich wollte Leser Urs an dieser Stelle über den Hattrick des serbischen Internationalen Miloš Krasić schreiben, dem einzigen Torschützen der Partie. Oder über das schmucke, zwischen Plattenbauten versteckte Stadion des FK Chimki namens Arena Chimki, das jedem Schweizer Super-League-Klub gut anstehen würde. Oder über ein verwaschenes T-Shirt von ihm, auf dessen Rücken die 14 Spiele andauernde Siegesserie von ZSKA aus dem Jahr 1998 abgedruckt ist. Oder über den folgenden Dreisatz: Wenn Moskau 10,5 Mio und Khimki bloss 180,000 Einwohner hat, welchem Zürcher Vorort müsste dann der Durchmarsch in die Super League gelingen, damit Zürich (380,000 Ew.) eine Partie unter denselben Verhältnisbedingungen austragen könnte? Darauf lässt sich natürlich erwidern, dass die Metropole Moskau durch ZSKA, Dynamo, Lokomotive, Spartak und dem FK Moskau gleich mit fünf Vereinen in der Premjer-Liga vertreten sei – die 1. Division lassen wir hier mal ausser Acht. Und nicht nur Chimki, sondern auch Ramenskoje sei als Vorort in der obersten Liga. Zudem gebe es in der Stadt Zürich ja auch noch einen zweiten Verein etc. Das erschwert natürlich die Rechnerei bis ins Unmögliche. Schlaflos begann Leser Urs das russische Ligasystem zu erforschen und erfreute sich an der divisionalen Evolution der 2. Division. Es wurde immer später. Schliesslich stiess Leser Urs bei seinen Recherchen plötzlich auf die schön gestaltete Landkarte mit den Vereinen der Saison 2008.

Erst dann schlief Leser Urs ein und träumte davon, dass Lutsch-Energija (43° 7′ N, 131° 54′ O) den Wiederaufstieg in die Premjer-Liga schaffte und sich für den Uefa-Cup qualifizierte, wo als Gegner der ebenfalls wiederaufgestiegene CD Santa Clara von den Azoren (37°4′ N, 25°4′ W) warten würde. Das wäre ein Gaudi!

“Fête Egyptienne au Stade de la Maladière”

Friday, April 24th, 2009

Schülerinnen oder Schüler waren wir alle mal. Aber in den Genuss eines Klassenlagers am Neuenburgersee kamen wohl die wenigsten. Leser Urs schreibt: “Im Herbst 1991 haben wir eine Staatsbürgerliche Arbeitswoche in Yverdon verbracht. Wir waren 16 Jahre alt. Zufälligerweise spielte Xamax währenddessen gegen Celtic. Wir waren täglich angehalten, jeweils in Gruppen Berichte auf Französisch zu verfassen, die dann in einem Stabü-Heftli zusammengefasst wurden.”

Und hier sind die zwei Berichte, die für die Fussballnachwelt und also auch für knappdaneben.net relevant sind. Aber chapeau!

23.10.1991: Fête Nationale Egyptienne au Stade de la Maladière
Dans le deuxième tour de la Coupe d’Europe, Neuchâtel Xamax a rencontré le représentant de l’Ecosse, Celtic Glasgow. C’était le permier match d’entre ces deux équipes. Non seulement Xamax, mais aussi
Celtic avait beaucoup de joueurs blessés: Egli, Smajic et Mottiez chez Xamax, Collins, Galloway et Gillespie chez Celtic. Les 11’300 spéctateurs ont créé une ambiance extraordinaire, surtout un petit group zurichois d’Yverdon, qui mettait avec “la ola” les visiteurs éminents sur la tribune d’honneur à l’enthousiasme. Par rapport aus derniers matches de la ligue nationale A, les Xamaxiens étaient comme transformés et ils dominaient le match du début à la fin.
Heureusement le but de Celtic était orienté vers la Mecque, comme ça, Hossam Hassan a marqué deux buts dans la première mi-temps. Six minutes avant la récré, Bonvin était le butteur du 3:0. Le match était joué. La deuxième mi-temps a commencé comme la première. Après une faute dure d’un Eccosais, Hossam Hassan a perdu le nord. C’est pourquoi, il a marqué le quatrième but. Mais O’Neil de Celtic a reduit le décalage avec le but d’honneur pour Glasgow. A la fin le héros national d’Egypte pouvait mettre à profit un ricochet de Bonvin pour le 5:1. Espérons que les Xamaxiens atteindroint le troisième tour, même s’ils n’ont pas le soutien du groupe des fans venant de Zurich.
***
Le Football à Yverdon
C’est le FC Yverdon Sports, qui joue au stade municipal au bord du lac. Là il y a encore beaucoup d’autres installations sportives. Le club se trouve maintenant au excellent troisième rang du group ouest de la ligue nationale B et a de bonnes chances de participer au tour de promotion/relégation. Quoique le journal local écrive un grand rapport au sujet du dernier match, j’ai l’impression que le football n’a pas une grande importance. Il manque de spectateurs, qui donnent d’argent au club, qui peut être investi de l’avancement des joueurs jeunes. Car en ce moment l’équipe est dépendant de deux joueurs, à savoir des deux étrangers.

Fussballer in Songtiteln

Wednesday, April 22nd, 2009

Jetzt mal ein etwas anderes Rätsel: Wer findet den Fussballer oder Trainer im Lied? Die Lösungen gibts (wenn nötig) später. Morgen oder übermorgen. Und neue Lieder mit Fussballern drin sind herzlich willkommen. “Hey ho, let’s go” (das zählt auch schon!):

House of the rising sun (The Animals), Heisse Nächte in Palermo (EAV), Fischer (Patent Ochsner, sehr schwierig), Go West (Pet Shop Boys), E Bueb mit Name Fritz (Mani Matter), I bin en Italiano (Nöggi), Sur le Pont d’Avignon (Traditional), Ba-Ba-Banküberfall (EAV), Ech well frei si (Crazy), Mrs. Robinson (Simon & Garfunkel), Marmor, Stein und Eisen bricht (Drafi Deutscher), Mr. Jones (Counting Crows), Wenn du gross bist (Pur), Hallo Herr Nachbar (Cindy & Bert), Mein Freund der Baum (Alexandra), Daddy Cool (Boney M), Dalai Lama (Rammstein)

Donnerstag, 23. April, Zone5 Luzern

Wednesday, April 22nd, 2009

Wieder einmal ein kleiner Veranstaltungshinweis in eigener Sache: Diesen Donnerstag, 23. April, gibts in der Zone5 in Luzern (Bundesplatz 9) einen Abend rund um das Buch “Knapp daneben – Aus den Randgebieten des Fussballs”. Die Texte aus dem Buch werden vertont durch passende Musikbeispiele aus der Welt der Fussballschallplatten und ausgeschmückt durch Anekdoten und Halbwahrheiten aus dem Fundus von “Knapp daneben”. Beginn: 20.30 Uhr. Kühle Getränke an der Bar. Freundliches Servicepersonal. Herzlich willkommen!

FC Zurich? Never heard.

Tuesday, April 21st, 2009

Interessant, was die «Switzerland»-Ausgabe des Lonely Planet, 5. Ausgabe von 2006, zum Thema Sport in Zürich zu berichten hat (S. 207):

The local football team Grasshoppers plays at Hardturm Stadium. Catch Tram No. 4 to Sportplatz Hardturm to get there. However, the Letzigrund Stadium is being refurbished as the venue for the Euro 2008. Bus No. 31 to Letzipark will get you there.

Der FC Zürich wird nicht nur totgeschwiegen, der Lonely Planet führt sogar solche, die das mit den Spielen im Letzi doch noch rauskriegen, nicht wirklich auf direktestem Weg dahin. Muss wohl ein englischsprachiger Ex-GC-Spieler gewesen sein, der das geschrieben hat. Efan Ekoku vielleicht?

Moratti lesen

Monday, April 20th, 2009

Überraschend und erfreulich deutlich die Worte von Inter-Boss Moratti, auch gegen verharmlosende TV-Kommentatoren, nachdem sein 18-jähriger Stürmer Bolatelli beim Spiel gegen die Juve in Turin Opfer von massiven rassistischen Beleidigungen geworden war. Weniger überraschend einmal mehr Herr Buffon, die Nr. 1 der Juve und der Nationalmannschaft: alles nicht so gemeint. In Italien können Schiedsrichter Spiele unter- oder abbrechen, wenn es zu rassistischen Gesängen kommt. Können. Müssen aber natürlich nicht, sagt der Verband, und bescheinigt seinem Unparteiischen korrektes Verhalten. Juventus spielt nun ein Spiel vor leeren Rängen. Immerhin. Als Bolatelli zuvor im Olimpico Ähnliches hatte einstecken müssen, büsste man die AS Roma noch mit 8000 Euro.

Unzählbare Hooligans

Monday, April 20th, 2009

Grundkurs Rechnen, heute mit: Fedpol, unserem Bundesamt für Polizei. Und der NZZamSonntag. Es geht um die Hooligandatenbank Hoogan. Die “wächst stetig”, schreibt die NZZamSonntag am 19. April. Was heisst nun wachsen, und was stetig?

Ende 2007 waren 260 Sportfans erfasst. Gegen 189 war ein Stadionverbot ausgesprochen worden, gegen 80 ein Rayonverbot.

Gibt zusammen 269. Lässt sich aber damit erklären, dass 9 Leute Stadion- UND Rayonverbot haben. Das steht zwar nicht in der NZZamSonntag, liegt aber auf der Hand. Dann gehts weiter:

Ende 2008 waren bereits 506 Personen in Hoogan vermerkt. 185 waren mit einem Stadion-, 164 mit einem Rayonverbot belegt.

185 plus 164 gibt 349. Diese Zahl ist bereits schwieriger zu interpretieren. 349 Massnahmen für 506 Registrierte sind etwas wenig. Das hiesse ja, dass 157 Leute gratis in Hoogan gelandet sind. Gehen wir allein von der zusätzlichen Zahl Registrierter im Jahr 2008 aus, 246, so könnte es gehen, würde einfach heissen, dass von diesen 246 103 Personen mit beiden Massnahmen belegt sind. Würde Sinn machen. Oft folgt einem Stadion- ein Rayonverbot und umgekehrt. Nun geht es in der NZZamSonntag aber noch weiter:

Mit Stichtag 16. April 2009 waren schon 556 Personen in Hoogan registriert. Gegen 190 von ihnen gilt ein Stadionverbot, 151 müssen ein Rayonverbot befolgen, wie Fedpol-Sprecherin Eva Zwahlen erläutert.

Erläutert? Ob das hier der korrekte Begriff ist? Um noch halbwegs dabei zu bleiben, sind wir oben vom Zuwachs der Registrierten ausgegangen. Tun wir dies nun wieder, würde das heissen: Auf 50 neue Registrierte kommen 341 Massnahmen. Das müsste dann selbst dem härtesten Repressionsbefürworter etwas gar gut gemeint vorkommen: mehr als dreifaches Stadion- und Rayonverbot pro Person, das führt doch nirgends hin. Kann also nicht sein. Bleibt Möglichkeit 2 (obwohl zuvor von NZZamSonntag bzw. Fedpol bereits ausser Betracht gezogen): Die Anzahl Massnahmen beziehen sich auf alle Registrierten. Das würde jetzt bedeuten: 341 Massnahmen für 556 Personen, damit also mindestens 215 Registrierte ohne Massnahme! DA HABEN WIR DEN SKANDAL! Denn erstens darf laut BWIS nur registriert sein, wer eine Massnahme auferlegt bekommen hat, und zweitens nützt das natürlich so überhaupt nichts! Müssen wir denn jetzt den Rechenschieber hervorholen, um den Hooligans Herr zu werden? Oder sind es einfach so viele, so unzählbar viele, dass sie jede vernünftige Datenbank zum Absturz bringen?

Gut. Die Erklärung ist einfach. Die Differenz ergibt sich aus dem Umstand, dass bei einigen Registrierten die Massnahme bereits abgelaufen ist, sie aber wie vorgesehen weiter (zwischen 3 und 10 Jahren) registriert bleiben. Nur steht das nirgends im Text. Würde ja auch den schönen Effekt der Geschichte (“wächst stetig” – Achtung Gefahr!) dämpfen. Ein “Hooligan”, dessen Massnahme abgelaufen ist, darf aber wieder ins Stadion – oder ins Rayon. Diese 215 (oder mehr, kalkuliert man mit doppelten Massnahmen) sind also nicht, wie suggeriert wird, physisch in einer Datenbank gefangen, aus der sie nicht entfliehen können, sondern bewegen sich vermutlich Spieltag für Spieltag im oder ums Stadion. 

Am 28. April will SF im “Club” das Hooligan-Konkordat diskutieren. Vielleicht sprechen die Zahlen bis dann Klartext.

Und schuld daran ist …

Saturday, April 18th, 2009

Wenn eine Sache nicht so ist, wie man sie gerne hätte, dann ist es am einfachsten eine Person dafür verantwortlich zu machen. So ist Pascal Choupin verantwortlich für alles, was im schweizerischen Gesundheitssystem nicht rund läuft. Peer Steinbrück ist schuld, dass das Schweizer Bankgeheimnis nicht mehr so geheim ist. Wer trägt aber die Schuld, dass es im Fussball (zumindet in England) nicht mehr so ist wie früher? Nein, nicht er, sondern Platz 4 in der TimesOnline-Liste «The 50 worst famous football fans».