Archive for March, 2009

Fussballer gegen Hunger

Tuesday, March 24th, 2009

Dieses Wochenende waren verschiedene Fussballspiele in Europa dem Kampf gegen Hunger gewidmet. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) versuchte dabei in Zusammenarbeit mit dem Verband Europäischer Fussballligen (EPFL) auf die 963 Millionen Hungernden auf dieser Welt aufmerksam zu machen. Die Aktion lief unter dem Titel ″Match Day against Hunger″. Hunderte von aktuellen und ehemaligen Fussballern zeigten, dass sie sich zumindest der Problematik bewusst sind. Mit dieser Aktion verbunden ist ein Mikro-Finanzierungsprojekt der FAO mit dem Namen TeleFood, welches armen Familien erlauben soll, Lebensmittel selber produzieren zu können. In der Schweiz hat man davon, trotz Mitgliedschaft im EPFL, offensichtlich nichts wissen wollen. Schade.

 

Link: European leagues and football stars against hunger

Ische mische nidde magge

Tuesday, March 24th, 2009

Wer wissen will, woher Viktor Giaccobo die Idee für seinen lustigen Italiener (damals im Spätprogramm, heute im Late Service Public) hatte: aus dem WM-Album 1974. Ische midde Name Ray Richards, ische Centrocampista, ische Club Marconi Fairfield undde Land Australia. Hadde leider aber nidde Weltemeister worde.

Deeskalationsstrategie

Tuesday, March 24th, 2009

“Die Schweiz ist viel zu klein, um Freunde aus nur einer Fankurve zu haben”.

Das sagt der Thun-stämmige FCZ-Fan und Südkurvengänger Reeto von Gunten in der Berner Zeitung. Eine Selbstverständlichkeit? Nein. Aber eine wirksame Deeskalationsstrategie. Die sich in immer breiter werdenden Kreisen leider nur geringer Beliebtheit erfreut.

Wege aus der Krise

Sunday, March 22nd, 2009

“Sie lernen Komponisten wie Mozart kennen, führen erste naturwissenschaftliche Experimente durch und schulen ihren Körper mit kreativem Kindertanz, Kinderyoga und autogenem Training.”

So lautet laut NZZamSonntag das Bildungs- und Erziehungsprogramm einer neuen Tagesstätte für zwei- bis sechsjährige Kinder. Zielgruppe: Mädchen und Buben von Kaderleuten aus dem Bankensektor. Na wenn das mal kein Neuanfang ist! Vorwärts auf Zürich Paradeplatz! (Bitte um Nachsicht wegen des fehlenden Fussballbezugs. Oder kann jemand einen konstruieren?)

Traumberuf Reporterin

Friday, March 20th, 2009

“An interessanten Orten spannende Menschen treffen und live darüber berichten – Traumberuf Reporterin!”, hat sich diese Mitarbeiterin eines baskischen TV-Senders wahrscheinlich gesagt. Früher. Bevor sie wusste, dass noch andere Menschen gerne im Fernsehen kommen.

 

Dreifaches Abseits?

Friday, March 20th, 2009

Der Schiedsrichterassistent habe im Cupspiel FCZ-FCB “gleich eine dreifache Basler Offside-Position” übersehen, trompetet der “Blick” in seiner heutigen Ausgabe und bläst zum Sturm gegen Unparteiische und für den Videobeweis. Sicher: Es gehört zum Boulevard, dass er zuspitzt, polemisiert und übertreibt. Wenn es um Fussballregeln geht, empfiehlt es sich trotzdem, einigermassen bei den Fakten zu bleiben.

Die weisse Offsidelinie, die der Blick in sein SF-Standbild montiert hat, mag zwar schön parallel zum 16er verlaufen und zeigt tatsächlich, dass drei Basler jenseits dieser Linie stehen. Nur: bei zweien, Carlitos und Safari, spielt das überhaupt keine Rolle. Sie hätten auch auf der Grundlinie stehen können. Solange sie nicht aktiv ins Spiel eingreifen, d.h. weder an den Ball kommen noch einen Gegenspieler oder den gegnerischen Torhüter behindern oder bedrängen, können sie stehen, wo sie wollen. Es geht also nur um Streller. Im Moment der Ballagbabe wird er von Stahel noch halb verdeckt, und zwei Spieler im Vordergrund versperren zusätzlich die klare Sicht aufs Geschehen. Zudem ist seit langem bekannt: Das menschliche Auge (also auch jenes des Assistenten) kann bereits ab einem geringen Winkel nicht zwei Situationen zeitgleich erfassen. Für den Schwenk von Ballabgabe zu vermeintlich im Abseits positioniertem Spieler vergeht ein Sekundenbruchteil – genug, um eine Abseitsposition erst nach Ballabgabe entstehen zu lassen. Häufige Fehler sind hier nicht erstaunlich, sondern logisch, zumal modernes Verteidigungsspiel auf der Linie genau mit diesem Sekundenbruchteil operiert (der bekannte koordinierte Schritt nach vorn).

Sicher, Streller stand im Abseits. Aber äusserst knapp. Es gab schon eine Vielzahl klarerer Fehlentscheide, die zu weniger Aufruhr führten. Zudem: Wer am Mittwoch im Stadion war, muss zugeben: von Abseits war nie die Rede. Die Fragen, die sich die Leute nach dem Penaltypfiff stellten, waren: Foul oder nicht? Drinnen oder draussen? Abseits – sowas sehen wenn überhaupt sowieso nur jene paar Dutzend, die genau auf Höhe des hintersten Mannes sitzen, also exakt die Position des Assistenten innehaben. 

Bleiben wir also locker. Denn was für ein Lamento zu hören wäre, wenn wir erst einmal den Videobeweis eingeführt haben, will ich mir gar nicht vorstellen.

Können Männer Kinder bekommen?

Thursday, March 19th, 2009

 

Mit einem Gefühl an der Grenze zur Depression ertränkte ich am Mittwochabend die Cup-Niederlage des FCZ in ein paar Bieren im Haus des Volkes. Seit dem Umbau tummelt sich dort der sogenannte urbane Mittelstand. Eigentlich ist das Kaffeehaus ein Laufsteg, trotzdem gehe ich oft dorthin, vor allem am Morgen, und geniesse die Ruhe, den grossen Raum und den guten Kaffee. Am Mittwochabend vermochte mich jedoch nichts und niemand aufzumuntern: Seit dem Herbst 2006 hat der FCZ gegen Basel nicht mehr gewonnen. Aus schierer Sinnlosigkeit begann ich einen SMS-Dialog mit einem Basler Freund, der sich zum rhetorischen Duell entwickelte. Wie konnte es auch anders herauskommen: Er siegte. 

Zürcher: Fussballmafia SFV 

Basler: Hehe. Ohne Hassli ist Zürich nichts 

Zürcher: Wir fokussieren jetzt auf das Wesentliche: die Meisterschaft 

Basler: Und wir holen das Double

Zürcher: Dann verliere ich den Glauben an den Fussball 

Basler: Hauptsache, wir sind weiter 

Zürcher: Menotti würde sagen: Tsüri spielt einen linken, Basel einen rechten Fussball 

Basler: Ihr habt ja sehr links gespielt mit den hohen Bällen 

Zürcher: Ich meine generell. Euer Fussball ist kampf- und resultatorientiert. Unerträglich 

Basler: Du sprichst in Rätseln 

Ich verliess das Haus des Volkes gegen 2 Uhr und schaute die Zusammenfassung des Spiels im TV. Mein Freund hatte Recht: Die Bilder zeigten mir noch einmal, dass der FCZ meilenweit entfernt war vom schnellen Kurzpassspiel, von stupenden Aktionen und von der Lust am Fussball, die sich manchmal zum Rausch steigert. Für mich war das Cup-Out eine Niederlage im Kampf der Fussball-Ideologien: Der wahre Unterschied zwischen FCB und FCZ besteht nicht zwischen Kapital und Proletariat, zwischen Rhein und Limmat oder zwischen Muttenzer- und Südkurve. Der Unterschied liegt in der Ästhetik: Basel rennt und grätscht, um zu gewinnen. Der FCZ dagegen spielt. Und wird mit Siegen dafür belohnt. 

Halb benommen musste ich am nächsten Morgen um 8 Uhr aufstehen. Gegen Mittag erhielt ich wieder eine SMS meines Freundes. 

Basler: Gut geschlafen? Niederlage verdaut?

Zürcher: Die Kombination von Alkohol und Schlafmangel stecke ich mit zunehmendem Alter immer schlechter weg. Ich weiss das schon länger, und trotzdem passiert es mir immer wieder 

Basler: Frage an Radio Eriwan: Können Männer Kinder bekommen? Antwort: Im Prinzip Nein. Aber es wird immer wieder versucht 

Zürcher: ! 

Basler: Am 17. Mai kommen wir nochmals in den Letzi. Ihr könnt es dann wieder versuchen

Ex-Präsidenten in den Schlagzeilen

Thursday, March 19th, 2009

Er hat es bis auf die deutschen Titelseiten geschafft, Thomas “Nazivergleich” Müller, CVP-Nationalrat und Ex-Präsident des FC St. Gallen. Doch er ist nicht der einzige, der nach seiner Karriere in der Teppichetage des Fussballs anderweitig von sich reden macht. Da hätten wir zum Beispiel noch Peter Epting, ehemals FCB, der mit seiner Generalplanung mit dem Heimatschutz ins Gehege kam wegen eines Bürokomplexes aus den 70er Jahren (SF-Kulturplatz hatte berichtet). Oder, legendär, Albert Koller, FCL, den sie erwischten, als er gerade Stühle aus seinem Konkurs gegangenen Restaurant klauen wollte. Kennt jemand noch weitere Beispiele, wo sich Ex-Präsidenten in fussballfremden Gebieten zweifelhafte Meriten geholt haben?

Mein Züribasel

Thursday, March 19th, 2009

18uhr10. Ich hole unsre Tochter aus der Krippe ab. In den Strassen des Sihlfelds erste Fangrüppchen. Zwölfjährige Jungs in Südkurvenkluft. Eine Studentinnengruppe im Fanshoplook. Spürbare Vorfreude. 

1990. Erste Fahrt nach Basel. Mein Freund und ich haben schauen uns das Spiel mit seinem Basler Vater an. Natürlich provozieren wir leichtsinnigen Jugendlichen ihn gerne. Mitte der zweiten Halbzeit weitet sich unser Streit aus auf den halben Block („Stön’doch üübärä zu eune Schiisziircher“). Das 3:3 kurz vor Schluss durch Basels Uwe Dittis rettet unsere Haut.

19uhr30. Nur noch schnell den Sohn ins Bett und dann ab. FCZ-Songs steigern seine Weinkrämpfe, beim einzigen Basellied, das ich kenne, döst er friedlich ein. Ein gutes Omen? 

1994. Im Joggeli mit 42‘000 weiteren Zuschauern. In der Halbzeitpause besucht eine Basler Fangruppierung in orangen Bomberjacken die Zürcher Ecke und es kommt zu einer Rauferei. Sektorentrennung, damals noch ein Fremdwort. Haris Skoros 1:1 verhindert vorerst Basels Aufstieg in die NLA.

19uhr46. Auch die 37jährigen Familienväter ziehen nun zum Stadion. Schnell noch einen Kebab und zwei Bier am Lochergut. Ich hoffe auf ein überlanges Spiel bis zum 18. Penalty. Träumer. 

1998. Heimspiel im Letzigrund. Vor dem Spiel prügeln FCB-eigene Security-Kräfte die Basler Fans der Osttribüne entlang in Richtung Auswärtssektor. Die Clubordner haben verdächtige Ähnlichkeiten mit den Typen in den orangen Jacken. Shorunmu, Huber und Bartlett gewinnen gegen Potocianu, Ceccaroni und Rychkov mit 2:1.

20uhr07. Schon drin. Sie haben was gelernt im neuen Letzi und endlich zusätzliche Eingänge geöffnet. Laute Antibasel-Gesänge vor dem Spiel und schöne Pyroshow der Basler.  

2004. Humor im St. Jakob. Auf den Rängen duellieren sich zwei Fangruppen mit ausgefeilten Ideen. Die Südkurve verlegt den ersten Teil der Choreografie kurzerhand ausserhalb des Stadions an ein Brückengeländer. Die Muttenzerkurve ihrerseits entrollt über dem FCZ-Block ein Transparent mit der Aufschrift „Fusion, da laufts“. Was sich liebt, das neckt sich.

21uhr40. Scheissspiel. Scheisspenalty. Passt. Einsamer Höhepunkt ist das neue Lied der Südkurve. Eine Adaption des Friedenslieds Hevenu Shalom Alechem. Passt eher nicht. Ausserdem scheint mir der Text ‚Mir gäbet alles für dä FCZ‘ nicht ganz astreines Züridütsch.

2007. Bomber im Hardturm. Bei Spielende besucht die Crème de la crème der Basler Ehemaligen-Hooliganszene (ja, die in den vormals orangen Jacken) den Eingang der FCZ-Fankurve und haut auf alles ein, was sich bewegt. Stadionsicherheit und Polizei haben vom Aufmarsch wieder einmal nichts mitbekommen.

22uhr15. Es knallt an der Schlachthofecke. Wie seit jeher. Wir ziehen uns auf ein Mineralwasser ins Lokal zurück, Bier gibt‘s erst ab Mitternacht. Selten so entnervtes Servierpersonal gesehen. Später dann noch Steinbocksalsiz aus Brigels und Zürcher Pils in einer netten Bar. Diskussionen mit Zlaty und Theo über Uniformität und Radikalität der Kurve, über Stromlinienförmigkeit und Totalitarismus. So wird es schnell einmal spät.

Wie stoned ist die Migros?

Tuesday, March 17th, 2009

Die Wissenschaft kennt keinen Zweifel: Die Wiege des modernen Fussballs liegt in Stonehenge (Bild links). Das beweisen die imposanten Steintore. Umso erstaunlicher, was sich unsere Migros für einen Lapsus leistet: Sie zeigt auf ihren Zündholzschachteln die Standing Stones of Callanish (Äussere Hebriden, Halbinsel Lewis), schreibt aber “Stonehenge” darunter – wo doch von Querbalken weit und breit nichts zu sehen ist. Aber die Migros hat nun auch bei ihrer Grafik eine M-Budget-Abteilung. Und dort bedeutet ein stehender Stein eben Stonehenge. Stone für Stein und henge für stehen. Ja so etwas in der Art vermutlich. Als Konsument beunruhigt mich das natürlich. Welche Migrosprodukte sind denn sonst noch falsch angeschrieben? Habe ich statt alkoholfreiem immer richtiges Bier getrunken? Statt Rind- Schweinefleisch gegessen? Statt Zahn- Klobürsten verwendet? Bange Fragen.