Polen-ballesterer

Dass ein Heft die Umstellung auf Monatsbetrieb auch ohne merkliche inhaltliche Schwächung vollziehen kann, beweist der österreichische ballesterer. Seine aktuelle Ausgabe mit Schwerpunkt Polen ist schlicht intelligente Fussballunterhaltung. Zum Artikel “Wunderbare Jahre” über die polnischen WM-Auftritte 1974-1982 hier eine Ergänzung in Form eines Buchtipps: Der 1993 unter dem baskischen Originaltitel “Gizona bere bakardadean” erschienene Roman “Ein Mann allein” von Bernardo Atxaga verknüpft die WM 1982 in Spanien, die Aufbruchstimmung in Polen und den militanten baskischen Untergrundkampf zu einem hochwertigen Thriller mit überraschendem Ausgang.

Carlos, ein ehemaliger Aktivist (der ETA, auch wenn dieses Kürzel nie erwähnt wird), führt mit einstigen Weggefährten ein Hotel in der Nähe von Barcelona. In diesem Hotel logiert während der Zeit der Weltmeisterschaft die polnische Nationalmannschaft. Carlos versteckt im Hotel aber – gegen seinen Willen, doch aus nostalgischer Solidarität – zwei aktive Kämpfer seiner früheren Gruppe. Es fällt ihm immer schwerer, die Rolle des doppelten Gastgebers unerkannt zu spielen, bis er schliesslich verraten wird.

Bernardo Atxaga schreibt unter anderem, der polnische Stürmerstar Boniek hätte sich gemeinsam mit anderen Spielern erfolgreich für ihren Torhüter stark gemacht, dem aufgrund etlicher Vorfälle gravierender Trunkenheit vom Verband die Turnierteilnahme verweigert worden war. Ich weiss nicht, ob das stimmt. Sicher ist: Atxaga schildert das Fussballermilieu glaubwürdig, facettenreich und zuweilen humorvoll, und über das Wesen einer Nationalmannschaft im Spannungsfeld zwischen Staatstreue und Volksverbundenheit ist einiges zu erfahren.

—- Und weils grad um den ballesterer geht, hier noch was aus dem FCZ-Forum, an dem zumindest die violette Gemeinde Wiens ihre Freude haben dürfte:

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