Archive for February, 2009

Youri, ähem, Djorkaeff

Thursday, February 26th, 2009

Ich habe diesen Spieler immer gemocht. Als Spieler. Grossartig, und es fehlte diese letzte, unsympathische Entschlossenheit. Deshalb sehr sympathisch. Jetzt singt er. Du meine, meine Güte. Mon dieu. Das Lied -- ok. Es wird niemand gezwungen, es zu Ende zu hören. Die Bekleidung -- ok. Irgendjemand muss das ja tragen. Sonst landet es von der Beate Uhse direkt im Texaid-Sack. Und jetzt alle zusammen: Leben in deinem Licht!

“Euro 08 als Hemmschuh”

Thursday, February 26th, 2009

Unter diesem Zwischentitel bilanziert die Zürcher Hotellerie das abgelaufene Geschäftsjahr, in dem in den Monaten März bis Juni laut Zürich Tourismus weniger Übernachtungen zu verzeichnen waren als in dieser Jahreszeit üblich. Die NZZ gestern dazu: “Dies erklärt sich Zürich Tourismus mit der Euro 08: Nach Auskunft von Vizedirektor Maurus Lauber geht die Organisation davon aus, dass dieser Grossanlass zumindest in der Stadt kurzfristig mehr Gäste fernhielt als anzog.”

Irgendwann, so knapp unter dem Strich, fragt sich dann schon, wer denn nun auf irgendeine Art überhaupt irgendwie profitiert hat von dieser Europameisterschaft. Abgesehen von den orangen Bernern.

zehntausend

Wednesday, February 25th, 2009

In diesem Moment dürfen wir die 10’000ste Besucherin/den 10’000sten Besucher von knappdaneben.net begrüssen. Und beglückwünschen. Herzlichen Dank für Ihr Interesse.

Kühl geblieben

Wednesday, February 25th, 2009

Einen kleinen Preis für grosse Gelassenheit hätte der Tages-Anzeiger-Journalist Jean-Martin Büttner verdient. Es gibt wohl nicht viele seines Berufsstandes, die unter ähnlichen Umständen einen derartigen Schlusssatz zu Papier gebracht hätten. Wer mehr zu Büttners Basel-Fahrt und ihrer Rezeption durch die Fangemeinde lesen möchte, der oder dem seien die Kommentare am Ende des Artikels oder die entsprechende Diskussion im FCZ-Forum empfohlen. Dort wird alles gesagt, was dazu gedacht werden kann. Leider wirklich alles.

Polen-ballesterer

Wednesday, February 25th, 2009

Dass ein Heft die Umstellung auf Monatsbetrieb auch ohne merkliche inhaltliche Schwächung vollziehen kann, beweist der österreichische ballesterer. Seine aktuelle Ausgabe mit Schwerpunkt Polen ist schlicht intelligente Fussballunterhaltung. Zum Artikel “Wunderbare Jahre” über die polnischen WM-Auftritte 1974-1982 hier eine Ergänzung in Form eines Buchtipps: Der 1993 unter dem baskischen Originaltitel “Gizona bere bakardadean” erschienene Roman “Ein Mann allein” von Bernardo Atxaga verknüpft die WM 1982 in Spanien, die Aufbruchstimmung in Polen und den militanten baskischen Untergrundkampf zu einem hochwertigen Thriller mit überraschendem Ausgang.

Carlos, ein ehemaliger Aktivist (der ETA, auch wenn dieses Kürzel nie erwähnt wird), führt mit einstigen Weggefährten ein Hotel in der Nähe von Barcelona. In diesem Hotel logiert während der Zeit der Weltmeisterschaft die polnische Nationalmannschaft. Carlos versteckt im Hotel aber – gegen seinen Willen, doch aus nostalgischer Solidarität – zwei aktive Kämpfer seiner früheren Gruppe. Es fällt ihm immer schwerer, die Rolle des doppelten Gastgebers unerkannt zu spielen, bis er schliesslich verraten wird.

Bernardo Atxaga schreibt unter anderem, der polnische Stürmerstar Boniek hätte sich gemeinsam mit anderen Spielern erfolgreich für ihren Torhüter stark gemacht, dem aufgrund etlicher Vorfälle gravierender Trunkenheit vom Verband die Turnierteilnahme verweigert worden war. Ich weiss nicht, ob das stimmt. Sicher ist: Atxaga schildert das Fussballermilieu glaubwürdig, facettenreich und zuweilen humorvoll, und über das Wesen einer Nationalmannschaft im Spannungsfeld zwischen Staatstreue und Volksverbundenheit ist einiges zu erfahren.

—- Und weils grad um den ballesterer geht, hier noch was aus dem FCZ-Forum, an dem zumindest die violette Gemeinde Wiens ihre Freude haben dürfte:

Freitag in Porrentruy

Sunday, February 22nd, 2009

Es soll eine Liste geben der schlimmsten Städte der Schweiz, hab ich mal irgendwo gehört, und da stehe Porrentruy zuoberst drauf. Man kann ja trotzdem mal hinfahren. Porrentruy, erzählt mir der Einheimische vor Ort, habe wie andere Städte im Jura Einwohner verloren in den vergangenen zwanzig Jahren. Heute lebten noch etwa 6800 Leute dort, und man schätze den Bestand an leerstehenden Wohnungen auf fünf- bis sechshundert. Am Bahnhof macht sogar die SBB Werbung für ihre Liegenschaften, jedes zweite Bahnwärterhaus in der Gegend scheint frei zu stehen, die angegebenen Mietzinse alle im dreistelligen Bereich.

Von Porrentruy führt eine der entlegensten Schweizer Bahnstrecken nach Bonfol. Eine schöne Gegend, irgendwie mal belastet durch eine Giftmülldeponie, ich weiss es nicht mehr genau. Auf dem Spaziergang von Bonfol zurück nach Vendlaincourt passiere ich den Platz des FC Bonfol. Man sieht ihn schwach im Bild, jenseits der Gleise. Der Fotograf Markus Scherer hat sich in dieser Gegend gut umgesehen für seine Diplomarbeit über Schweizer Provinzfussballplätze, Alle, Bassecourt und so weiter, eine grossartige Serie, und jetzt sehe ich, dass Scherer seit der neusten Ausgabe für das Magazin ZWÖLF seine Arbeit fortsetzt, unter dem Titel “Feldstudien”, doppelseitig, angelehnt an Hans van der Meer in 11freunde, aber ohne nachzuahmen. Eine durch und durch erfreuliche Neuerung.

In der Bahnhofsunterführung von Porrentruy wird auch mit Edding gearbeitet. Erstaunlich, wer hier schon alles zu Gast war: FCB-Fans, GC-Fans und offenbar auch solche, die weder FCB noch GC mögen. Auch erstaunlich: Im Stadtführer von Porrentruy findet man Michael Owen. Der Jura verkauft sich touristisch ja als “Watch Valley”, und im kleinen Prospekt wirbt deshalb Tissot, eben mit Herrn Owen. Das wird die vielen englischen Touristen, die jeden Tag nach Porrentruy fahren, sicher beeindrucken.

Am Abend empfängt der HC Ajoie den HC Sierre zum 5. Spiel der Nati-B-Playoffs. Die alte Wellblechhalle ist proppenvoll, 3100 Zuschauer werden angegeben, also fast die Hälfte aller Einwohner. Welche Eishockeystadt der Welt erreicht wohl noch so eine Quote? Küsnacht auf jeden Fall nicht, auch nicht Basel. Die Stadionbeiz ist eine kaum zu fassende Höhle, in der sich Frittieröl und Marocaine-Rauch einen erbitterten Kampf um die Geruchshoheit liefern. Die Wände sind dekoriert mit uralten Wimpeln, verbleichten Wald-Fotografien und, sehr speziell, Stecktafeln, die eigentlich als Preislisten gedacht sind, hier aber die Resultate der Junioren der vergangenen Jahre festhalten. Die Sierre-Ultras, während des Spiels rigoros von den Einheimischen getrennt, dürfen in den Drittelspausen durch den Hintereingang in die Buvette. Sie wissen diese Behandlung zu schätzen und stellen sich anständig und unauffällig in die Schlange, um kurz darauf, nach Wiederbeginn, weiterzufahren mit obszönen Gesten Richtung Ajoie-Anhang.

Der Metzger verkauft mir noch ein Paar seiner exzellenten Saucisses d’Ajoie, dann geht es heimwärts. Porrentruy ist nicht die schlimmste Stadt der Schweiz. Man kriegt in der Beiz “Les 2 Cerfs” das Einerli Roten für 1.80, und es gibt einen “Collector Shop” mit AC/DC-Singles. Und die Fahrt zurück über Courgenay, Glovelier, Bassecourt ist schön. Ich gehe vermutlich wieder mal nach Porrentruy.

Gute Bildwahl

Wednesday, February 18th, 2009

“Die weiblichen Fans sind die Zukunft des Fussballs”, titelte der Tages-Anzeiger letzte Woche im Wirtschaftsteil (warum das dort und nicht im Sportteil erscheint, wäre wiederum ein Thema für sich). Eben, letzte Woche, etwas lange her für einen Blog, aber ich fand den zusammengefalteten Artikel erst heute wieder in meinem Portemonnaie. Es geht ja darum, dass die Klubs nun versuchen sollen oder wollen, das Potential an weiblichen Fans auszuschöpfen. Bebildert ist der Text mit einer Szene aus irgendeinem Lokal irgendwo auf der Welt. Die Aufnahme ist wohl schon etwas älter, weil die abgebildeten Chelsea-Fans alle noch Umbro-Shirts tragen. Interessant ist aber ein anderes Detail: Die beiden Frauen flankieren einen Mann mit einem Schal der Chelsea Headhunters, einer doch eher gefürchteten und überhaupt nicht weiblichen Hooligan-Gruppierung (ewiger Lesetipp: John Kings “Football Factory”). Frauen in Begleitung von Hool-Sympathisanten: Ist das die Zukunft des Fussballs? Das wäre einmal mehr hundsmiserabelgrottenschlimm.

A G ARENA

Wednesday, February 18th, 2009

St.Gallen versinkt im Schnee- und Finanzchaos, was uns erhellende Erkenntnisse über den lokalen Fussball verschafft. Auf dem Dach des St.Galler Stadions steht neu der Schriftzug “A G Arena”. Pfeift der Klub aus dem allerletzten Loch und kann nicht einmal mehr die Stromrechnung bezahlen? Oder richtet der Hauptsponsor, der nicht länger alleine Geldlöcher stopfen will, auf diesem Weg eine deutliche Botschaft an die fussballverrückte Ostschweiz? Indem er einzig ein kleines F im Stadionnamen verschwinden lässt, erklärt er den Menschen zwischen Bodensee und Säntis, was der eigentliche Zweck des St.Galler Stadions ist: Liebe Fans, hier in dieser Arena hockt die St.Galler Fussball AG. Sie vernichtet euer Aktienkapital und wartet auf Unterstützung durch Stadt und Kanton.

Das letzte Stadion-von-oben-Quiz

Tuesday, February 17th, 2009

Die “janusköpfige Tribüne” der Luzerner Allmend – Leser Franz Biberkopf dringt mit seiner Lösung in literarisches Territorium vor. Auf dem Höhepunkt ist nun Schluss, mit Nummer 20. Dieses letzte zu erratende Stadion zeigt ein weiteres Mal, an welch privilegierter Lage Schweizer Sportstätten sehr oft stehen. Im Gegensatz zu Spanien oder England fehlen hierzulande aber noch prominente Beispiele für das Schleifen eines Stadions zu Spekulationszwecken. Verfolgt man die Geschichte um den Hardturm, stellt sich allerdings die Frage, wie lange das noch so bleibt.

Das Stadion-von-oben-Quiz/19

Monday, February 16th, 2009

Es geht dem Ende entgegen. Vevey war richtig. Sehr schönes Wappen hat der Klub übrigens, oder? Nummer 19 nun ohne Tipp. Und auch ohne langes Raten. Oder etwa doch?