Archive for December, 2008

Ich quelle

Sunday, December 14th, 2008

Heute morgen spazierte ich zur Fritschiwiese in Zürich Wiedikon, das ist da, wo Herr Jakob Kuhn damals das Fussballspiel erlernt hat und sich heute Männer aus Sri Lanka gelegentlich packende Cricket- oder Faustball-Duelle liefern. Auf einer drei drei Lüftungsröhren vom EWZ-Werk Sihlfeld las ich dieses Gedicht: “Ich spüre nichts, ich bin eiskalt. Ich quelle Menschen im dunklen Wald.” Das Gedicht hat mich etwas irritiert. Ich weiss auch nicht genau, warum.

Abdi entlassen!

Sunday, December 14th, 2008

Baidoa (Reuters) – Somalias Präsident Abdullahi Yusuf hat am Sonntag Ministerpräsident Nur Abdi entlassen.

Abdi habe es nicht geschafft, die Sicherheit in dem Land wieder herzustellen, sagte Yusuf vor dem Parlament zur Begründung. Ein Nachfolger soll innerhalb von drei Tagen bestimmt werden.

Ok, schlechter Witz. Entschuldigung.

Der Boy im Tor

Friday, December 12th, 2008

Und gleich noch eine Ultra-Geschichte: Er ist Mitglied Nr. 28 der Gruppierung BOYS Bielefeld. Und steht bei der Mannschaft, für die er lebt und leidet, gleich selber im Tor: Dennis Eilhoff. Für die gegnerischen Ultras ist das ziemlich gefährlich: Ein dummes Wort in seine Richtung, und der Eilshoff dreht sich um und klaut ihnen die Zaunfahne.

Santos auf Kaution frei – leider?

Friday, December 12th, 2008

Im Zusammenhang mit der Wortwahl der Sportinformation (Si) habe ich über den Fall des Marseille-Ultras Santos geschrieben, der nach dem CL-Spiel Atlético Madrid – OM festgenommen und von einem spanischen Gericht zu 3,5 Jahren Haft verurteilt wurde. Kurz vor Anpfiff des Rückspiels in Marseille kam Santos nun auf Kaution frei. Das sei bedenklich, findet Christian Eichler in der FAZ von heute. Er nennt es eine “Gefährliche Art von Fan-Justiz”. Hier seine Argumentation.

In eigener Sache: Spam-Schutz

Thursday, December 11th, 2008

Sorry, dass für Kommentare noch eine weitere kleine Hürde eingebaut werden musste, aber wir werden hier zugespamt und mussten was machen. Mit der Bitte um Verständnis: Kd

Erst mal eine durchziehen?

Tuesday, December 9th, 2008

Walter Frosch spielte in den 70er Jahren für Kaiserslautern und St. Pauli, wo er – auch dank seiner Affinität zum Rotlichtmilieu – zur Legende wurde. Ich weiss ehrlich gesagt nicht, ob er immer noch lebt, aber gespielt hat er offenbar auch noch, als es eigentlich schon lange nicht mehr ging. Weiss jemand mehr? Z.B., für wen Walter da in die Hosen gestiegen ist? Erkennt vielleicht irgend ein Groundhopper die Tribüne wieder? Dem Adrian sei auf jeden Fall gedankt für den Link. Schöner Fussball ist das. 

Si-nnentleert

Monday, December 8th, 2008

“Hohe Haftstrafe für Marseille-Hooligan”, überschreibt die Agentur Sportinformation (Si) eine Kurzmeldung vom Samstag. Inhalt:

“Ein Madrider Gericht verurteilte einen französischen Hooligan (34) im Schnellverfahren wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Anstiftung zur Gewalt zu einer Haftstrafe von drei Jahren und sechs Monaten. Das Gastspiel von Atlético Madrid in der Champions League am kommenden Dienstag bei Olympique Marseille hat dadurch weiteren neuen Zündstoff erhalten.”

Genau, das Gastspiel von Atlético. Was war da noch im Hinspiel? Richtig. Atlético-Anhänger, die ja auch mittels Transparent dem abgelebten Jörg Haider den ewigen Frieden wünschten, hatten Marseille-Spieler rassistisch beleidigt, was deren Fans in Wallung brachte. Zudem – wie zynisch – wollte ausgerechnet Atleticos Sicherheitschef in der OM-Zaunfahne “Comando Ultra 84″ eine rassistische und gewaltverherrlichende Botschaft entdeckt haben. Ordner wurden beauftragt, die Fahne zu entfernen, was sie nicht schafften (klingt etwas an?). Darauf schritt die Polizei ein. Und zwar so heftig, dass die nicht unbedingt für Fan-Freundlichkeit bekannte Uefa Atlético mit zwei Geisterspielen (später reduziert auf eines) für den Rassismus, die unnötig provozierten Ausschreitungen und alle anderen Unzulänglichkeiten bestrafte. Über all dies hatte ja auch die Si berichtet. Der vermeintliche Hooligan, der nun eiligst zu dreieinhalb Jahren Gefängnis verurteilt wurde, war einer jener Fans, die sich erst über die rassistischen Beleidigungen aufgeregt und danach gegen Polizei und Ordner zur Wehr gesetzt hatten. Wer mag, kann sich hier selbst ein Urteil bilden in der Frage, von wem die Gewalt ausging. Der Verurteilte ist, mit geringem Recherche-Aufwand, darauf zu erkennen. Wenn mich nicht ganz alles täuscht, sucht er vergeblich den Dialog mit der Polizei.

Die Si ist leider bekannt sowohl für die sinnentleerte Verwendung des Hooligan-Begriffs als auch für die Verbreitung falscher Nachrichten, wenn es um Ausschreitungen oder Übergriffe geht. Das ist deshalb fatal, weil sämtliche Tages- und Sonntagszeitungen die Dienste der Agentur in Anspruch nehmen. Ungern erinnern wir uns an die “Schläger aus Graz”, die in Budapest beim Spiel gegen Honved gewütet haben sollen. In Wirklichkeit – und wie z.B. die Si-Kundin NZZ Tage später richtig stellen musste – schlugen als Ordner getarnte Honved-Hooligans und Polizei blind auf die Gästefans ein. Was sich die Si nun aber im Fall des OM-Supporters Santos erlaubt, geht auf keine Kuhhaut. Sind bei denen wirklich alle zu faul, um mal 1-2 Beiträge aus internationalen Medien zu lesen, bevor sie so eine Meldung schreiben und verschicken? Und Zeitungen wie die NZZ, sollten die bei Hooligan- und Fan-Nachrichten aus dem Hause Sportinformation nicht endlich mal ein wenig vorsichtiger werden?

Dreieinhalb Jahre für Widerstand gegen die Staatsgewalt, Körperverletzung und Anstiftung zur Gewalt – allein das Strafmass zeigt, dass hier etwas nicht stimmen kann. Liberté pour Santos.

Manchester Und t

Monday, December 8th, 2008

Für Simon, den Basler, steht fest: So lange in Bern die Pubs so für TV-Spiele werben, wird das nie was mit der fussballbegeisterten Hauptstadt:

 

Fussball mit dem Kopf

Monday, December 8th, 2008

Am 22. Januar 1958 startete das Schweizer Fernsehen ein kurzlebiges Quizformat unter dem Titel „Fussball mit dem Kopf“. Im Pressetext zur Sendung hiess es damals: „Fussballklubs der Nationalliga A und B beordern Dreier-Equipen ins Fernsehstudio, wo das Los darüber entscheidet, welche Klubs gegeneinander anzutreten haben. Bereits die Auslosung wird ausgestrahlt. Ihre Spiele tragen die Kontrahenten auf geistigem Felde aus, die aktiven Fussballspieler werden sozusagen zu intellektuellen Spielern.“ Wie sich die Fussballer 1958 durch die Fragen mogelten,  lässt sich heute leider nicht mehr überprüfen. Es finden sich keine Bilder dazu im SF-Archiv (und auch nicht auf Youtube).

In der gestrigen Ausgabe der NZZ am Sonntag entlarvten sich einige ehemalige Exponenten der hiesigen Fussballszene mit haarsträubenden Zitaten zur abgetretenen Schiedsrichterin Nicole Petignat (Kubilay Türkyilmaz: «Frauen sind nicht in der Lage, das Spiel so zu lesen und zu verstehen, wie das Männer tun.», Rolf Fringer: «Man soll Natur auch einmal Natur sein lassen»).

Eines scheint klar: Heute würde niemand mehr auf die Idee kommen, eine Quizrunde nur mit Fussballern zu besetzen und das ist auch besser so.

Ennetbürger Wandmalereien

Friday, December 5th, 2008

Der treue Leser und Sportsmann Fabian C. hat bei einem Besuch des altehrwürdigen, ehemaligen und  vielleicht dereinst wieder zum Leben erweckten Hotels Honegg oberhalb Ennetbürgen NW ganz erstaunliche Wandmalereien entdeckt und diese für die interessierte Nachwelt festgehalten. Es handelt sich um kurze Aufzeichnungen eines Fussballfreundes aus den 20er Jahren. Der anonyme Chronist hat anhand der Spieltage vom 9. und 16. Juni 1929 den Punktestand der Grasshoppers, der Young Boys und von Urania Genf ausgerechnet. Was sich aufgrund der Kritzeleien noch nicht hatte erahnen lassen: Die Berner wurden 1929 Meister, nachdem sie den Cupfinal im selben Jahr gegen Urania 0:1 verloren hatten.

Rund um die “Tabelle” sind die Namen M. Bettex (Lausanne), Jean Füllemann (Romanshorn) und Hans Peter Odermatt zu lesen. Es handelt sich bei ihnen vermutlich um Teilnehmer von militärischen Weiterbildungskursen oder Klassenlagern, die ihre Spuren hinterlassen wollten. Hans Peter Odermatt kommt – anders als Bettex und Füllemann – als Urheber der Aufzeichnungen nicht in Frage. Er hat an anderer Stelle – und versehen mit der Jahreszahl 1967 – in einer Art Cluster-Diagramm von seinem Leben erzählt. Rund um einen Kasten mit seiner Adresse und über den Satz “Für das alles intressiere ich mich” schreibt er unter anderem “Essen, Fischen, Naturkunde, Kriminalistik, Beat Music, Skilager, Fussball, Abfahren, Abmachen, Zirkus, Sprachen, Fernsehen”. Bei diesem Reichtum an Interessen dürfte es im Folgenden nur so gepoltert haben in Hans Peter Odermatts Briefkasten.

Beim wiederholten Studium der Tabelle ist mir nun mit reichlicher Verspätung aufgefallen, dass es sich dabei wohl um die ersten beiden Spieltage der neuen Saison, also 1929/30, handeln muss und nicht etwa um die letzten der Saison 1928/29. Das würde dann aber heissen, dass nicht YB, sondern Servette den späteren Meister stellte, natürlich sehr zum Ärger von Urania und wohl auch zum Leidwesen des Kritzlers, dem die Grenats damals keine Spalte wert waren.