Bahnhof Glattfelden

Ausser Schlittschuhlaufen in Wil kann man über die Festtage auch andere schöne Ausflüge machen. Zum Beispiel einen Spaziergang der Glatt entlang. Dafür muss man mit der S-Bahn nach Glattfelden fahren, und das lohnt sich sowieso. Der Bahnhof Glattfelden ist nämlich einer jener Bahnhöfe, die sehr sehr weit entfernt liegen von jenem Dorf, nach dem sie benannt sind. Im Falle Glattfeldens heisst das laut Wanderwegweiser 40 Minuten. Versam in Graubünden ist auch so ein Fall. Da wandert der Zugfahrer oder die Zugfahrerin sehr lange den Hang hoch, bis er oder sie vom Bahnhof bis ins Dorf gelangt ist. Nun aber zurück zu Glattfelden: In der Bahnhofsunterführung ist das hier abgebildete, liebevolle Wandgemälde zu bewundern, das im Frühling 1996 von einer Zürcher Unterländer Oberstufenklasse erstellt wurde: EM 96. Das Werk wurde in den vergangenen 12 Jahren nur geringfügig verunstaltet, was einmal mehr die weltumspannende Popularität von Fussball-Grossturnieren beweist – sie reicht bis an den Bahnhof Glattfelden. Begibt man sich von der Unterführung aufs Perron, bietet ein Wartesaal alter Schule Schutz vor der Bise. Die einzige nicht verglaste Wand ist auf eine fast kunstvolle Weise verziert mit hunderten von Kritzeleien. Wenn das so weiter geht, findet die Art Basel bald nicht mehr in Basel und Miami statt, sondern am Bahnhof Glattfelden. Herausragendster Eintrag an der Wartesaalwand: “With Power. King Town Eglisau.” Umgeben von Hakenkreuz und SS-Runen. With Power ist grossartig. Neben dem “Nationalen Wiederstand” mit ie eigentlich das Beste, was ich bisher aus dieser Ecke gelesen habe. With Power. Und dann King Town Eglisau. Fucking hell, Glattfelden: the place to be!

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