Und nun endlich wieder ein Auszug aus dem “Fanbuch” von 1988. Nach der Tessinreise der Aarauer Adler hier ein Blick in den Zürcher Hooliganalltag Ende 80er Jahre. Ohne viel vorweg nehmen zu wollen: Bemerkenswert ist sicherlich der offenbar selbstverständliche Einsatz diverser Waffen und Schlaginstrumente – wo wir doch meinen, so schlimm wie heute sei es jetzt aber ganz sicher noch nie gewesen. Gleichzeitig fällt die sehr neutrale Nennung der Polizei als ordnende dritte Kraft auf, hier hat sich das Autoritätsverständnis wohl etwas verschoben in den letzten zwanzig Jahren. Und zuletzt verdient die absolut objektive Berichterstattung des involvierten Hooligans John eine Erwähnung, schreibt er doch unverblümt von der eingesteckten Niederlage – sowas wäre heute, im Zeitalter des realen und virtuellen Max’, schlicht undenkbar. Jetzt aber heisst es: Regenschirme aufspannen und rein ins Gewitter!
FC Zürich – FC Basel
Noch in den letzten Eishockey-Spielen des Zürcher SC wurde darüber gesprochen, während der Fussballsaison den Baslern eins auszuwischen. Dafür bot das obengenannte Spiel eine ausgezeichnete Gelegenheit.
Bereits am Nachmittag warteten etliche Zürcher auf die Baseler «Breakers». Aus Dortmund kamen extra 4 Kumpel, weil wir auch schon mehrmals mit ihnen zusammen in der Bundesliga waren. Das Spiel war erst auf 20 Uhr angesetzt. Um 18 Uhr sammelten wir uns. «Eagles», «Regensdorfer», «Ultras», einige FCZ- und GC-Fans (Grasshopper Zürich), insgesamt waren mehrere Dutzend für «den Kampf bereit».
Als wir erfuhren, dass die Baseler in Zürich angekommen wären und sich vor dem Letzigrund-Stadion befänden, zog unser Mob in Richtung Stadion. Dort stürmten wir mit Gebrüll, Leuchtmunition abfeuernd, auf das Kommando eines «Regensburgers» in Richtung Restaurant «Eber» (hinter der Gästekurve), wovor der Baseler Mob versammelt war. Überrascht über unseren Angriff, ergriffen etliche «Breakers» die Flucht. Die anderen versuchten, sich mit Messern un Tränengas zu wehren. Einige von ihnen wurden regelrecht vermöbelt. Die Polizei schritt ein. Um Verhaftungen zu vermeiden, verzogen wir uns. Doch nicht für lange. Kaum verschwunden, folgte der nächste Angriff von der anderen Seite. Ein Zürcher wurde mit dem Messer verletzt, ein Baseler musste ebenfalls mit Schnittwunden ins Spital eingeliefert werden. Nun mussten wir uns aber ganz zurückziehen, weil die Polizeigrenadiere rigoros mit Tränengas und Gummigeschossen eingriffen. Während des Spiels kam es zu kleineren Auseinandersetzungen zwischen den Zürcher Fans aus der Kurve und den Baselern; doch davon bekamen wir nicht viel mit, weil wir uns für den Schlussakt beim Zürcher Hauptbahnhof vorbereiteten. Wir hatten Glück, dass die Polizei von unserer Ansammlung beim Hauptbahnhof nichts mitbekam. Kurz vor 22 Uhr sahen wir die Tram vom Stadion her in den Bahnhof einfahren.
Die Baseler stürmten sofort aus der Tram und griffen uns an, wovon wir sehr überrascht waren, einige ergriffen die Flucht. Die Übriggebliebenen wehrten sich vehement mit Schirmen, Baseballschlägern und sonstigen Schlagstöcken. Trotzdem war wenig später, zugegebenermassen, die Stadt in Baseler Hand. Bedingt durch Einzelaktionen sah man neben blutigen Zürcher Köpfen auch noch Baseler, die etwas abbekamen. Ruhe herrschte in Zürich erst wieder, als der letzte Zug den Bahnhof in Richtung Basel verlassen hatte.
John, Zürcher SC-Hooligan