Archive for September, 2008
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Tuesday, September 23rd, 2008Titel: Vierbeiniger Platzwart mit grossem Arbeitsethos
Aufgenommen von Res im rumänischen Rasinari, nahe Sibiu
‘s Fründschaftsspiel
Monday, September 22nd, 2008Mehr zum Schauen ob hier wirklich auch Audio-Dateien laufen, hier ein Klassiker der Volksmusik: D’ Schlieremer Chind mit em Fründschaftsspiel.
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Monday, September 22nd, 2008Kleinkrieg der Abgelöschten
Sunday, September 21st, 2008Wohin Langeweile führen kann, zeigt das Editorial im aktuellen “Magazin” des Tages-Anzeigers. Chefredaktor Canonica empört sich darüber, dass Köppels Weltwoche den Magazin-Schreiber Haffner als vermeintlichen Ex-RAF-Sympathisanten enttarnt. Oder etwas in der Art. Ich weiss es nicht genau, weil ich den betreffenden Text nicht gelesen habe. Ich habe die Weltwoche ein paarmal gekauft, habe dann aber immer Hautausschläge an den Händen bekommen. Deshalb kann ich jetzt nicht beurteilen, was da wirklich dran ist. Sicher ist nur: Statt locker zu bleiben, schiesst Canonica zurück, und zwar mit Streumunition: Die Weltwoche solle besser mal vor der eigenen Tür kehren und zum Beispiel die ehemaligen Marxisten Sorg und Somm erwähnen. Das ist schon grossartig. Dafür werden heute Chefredaktoren bezahlt. Dass sie ehemalige Kollegen dissen. Sorg arbeitete bekanntlich früher mit Canonica beim Magazin – unter Chefredaktor Köppel.
Canonicas Weinkrampf nimmt rund drei Viertel des Editorials ein. In den restlichen paar Zeilen wird auf das Interview mit einem iranischen Folteropfer hingewiesen. Eine Gewichtung, wie wir sie von anderen kostenlosen Tamedia-Titeln kennen.
Was das alles mit Fussball zu tun hat? Für Nachtreten gibts Rot.
Krieg der Biere
Sunday, September 21st, 2008Dass Fangruppen mit Stift und Dose die Stadt markieren, ist bekannt. Dass nun aber auch noch der Bierkrieg ausgebrochen ist, weiss ich erst seit heute. Seit es jemand auf das Tischchen in der S7 geschrieben hat. Was ich natürlich als Vandalismus missbillige. Aber wenn schon Züge verunstalten, dann bitte mit Wahrheiten wie dieser:
Schweizer Cup 1. Hauptrunde
Sunday, September 21st, 2008Milan-FCZ 3:1
Friday, September 19th, 2008Ich habe mir im San Siro noch jedes Mal den Hintern abgefroren, egal in welcher Jahreszeit. Diesmal zieh ich mich warm an: T-Shirt, Pullover, Jacke. Nach zwei Minuten auf Mailänder Boden schwitze ich.
Die Toilette im Hauptbahnhof kostet 80 Cents. Das ist der dümmste Betrag, den es gibt. Man braucht drei verschiedene oder vier gleiche Münzen, um sein Geschäft zu verrichten. Wer hat das schon? In der U-Bahn ziehe ich Jacke und Pullover aus. Immer noch viel zu warm. Der Corso Buenos Aires ist die beste Strasse Mailands, die ich kenne. Wir bestellen ein Bier in der Bar. Sie hat uns mit dem Slogan «17 – 19 Happy Beer» angelockt. «Was führen Sie im Sortiment, Signore?» «Wikinger. Das ist ein sehr gutes Bier aus Deutschland. Nur zwei Bars in der ganzen Stadt haben es, ich und noch ein anderer.» Wir bestellen sechsmal happy beer. «Setzt euch, ich bringe es raus.» Nach zehn Minuten geht einer von uns rein. Die Biere stehen schaumlos auf der Theke, der Wirt hat sie vergessen. Das nützt dann natürlich sehr viel. Er hatte auch nur fünf Wikinger-Gläser, das sechste ist ein blaues Zahnglas. Es erinnert mich an einen Dokumentarfilm über russische Grubenarbeiter. Nach jeder Schicht bringt einer einen Kanister Bier in die Garderobe mit, die restlichen ein Glas. Keiner hat ein Bierglas, alle Einmachgläser oder Konfigläser oder kleine Vasen. Aber sie prosten sich mit einer grossen Vorfreude zu.
Während der Wikinger schrumpft, parkt neben uns eine Frau in eine Lücke, die kleiner ist als ihr Auto. Wir ziehen den Hut. Das heisst auf Italienisch «Fabio Capello». Ein Haus weiter gibt es gratis Apéro-Häppchen. Wir nippen einen Negroni dazu. Er ist stark und macht wach. Jetzt aber sofort zum Stadion, es ist schon viel zu spät. Als wir wieder ans Tageslicht kommen, erwarten uns ein paar Carabinieri. Wir dürfen nicht zu Fuss weiter, ein vergitterter Linienbus steht bereit. Der Fahrer macht keine Anstalten loszufahren. Die paar anderen Zürcher sind sauer. Sie trinken unterdessen eine Flasche Havanna Club leer und strecken sie mit etwas Cola. Ich unterhalte mich mit einem grossen Carabiniere. «Ihr dürft wirklich nicht laufen», sagt er. «Es bringt auch nichts, zu Fuss kommt ihr nicht zum Gästesektor, nur mit dem Bus.» Wann fährt er denn? Es ist schon zwanzig nach acht. «Gleich. Fünf Minuten. Woher seid ihr eigentlich genau?» Aus Zürich. «Mein Bruder wohnt in Olten. Ist das weit von Zürich?» Nein, nicht so. In der Schweiz ist nichts weit. Olten ist übrigens recht schön, nur sieht man das selten, weil es immer Nebel hat. «Nebel? Nicht Schnee?» Doch, Schnee schon auch, im Winter. Aber vor allem Nebel. Fahren wir jetzt? «Gleich. Fünf Minuten.» Dann fahren wir. Ein Bus, fünfzehn Insassen, ein Polizeiauto mit Blaulicht als Eskorte. Tatsächlich wäre das schwierig geworden zu Fuss.
Sie achten jetzt auf die Sicherheit in Italien. Erste Schranke: Stewards, wollen das Ticket sehen. Zweite Schranke: Polizei, tastet dich ab. Dritte Schranke: Drehkreuz mit elektronischer Billetkontrolle. Dann sind wir durch. Vor uns nimmt einer einen Schluck Bier. Er hat den ganzen OL mit einer vollen Dose Prix Garantie in der Hand absolviert.
Dann die Spirale hoch. Die Gäste sind jetzt nicht mehr in einem Spickel, sondern im dritten Rang, gut vergittert. Die Sicht ist gut für taktische Analysen. Carlo Ancelotti erklärt in der Gazzetta dello Sport, ein Jahr ohne Champions League sei das Purgatorium. Der Speaker sagt «Eric Aschli». Dann wird Emerson eingewechselt. Er wird auch langsam gegen die fünfzig gehen. Und so trägt er auch seine Hose. Seine Hose bedeckt etwa zwei Drittel seines Körpers, eigentlich alles ausser Kopf und Hände. Milan hatte schon immer grosse Hosen. Aber bei Emerson fällt das besonders auf. Wenn er einmal kentert, braucht er sich um ein Segel keine Sorgen zu machen. Dann kommt auch noch Ronaldinho kurz rein. Er zeigt einen seiner Tricks, die er bei Joga Bonito gelernt hat. Die Milan-Kurve sieht komisch aus. Jahrzehntelang hingen dort zwei Transparante nebeneinander, Brigate mit dem Totenkopf und Fossa. Jetzt halt nur noch eines, Milan Club in so einer halb edlen Schrift. Genau in der gleichen Schrift ist die Platte mit dem Lied «Milan Milan (solo per te)» angeschrieben, das sie vor dem Spiel laufen lassen. Es gibt ein viel besseres Milan-Lied, es heisst «Undici uomini d’oro», aber das spielen sie nicht.
Dann ist Feierabend, es heisst nach Hause gehn. Auf dem Parkplatz muss ich noch schnell. Dabei lese ich das Plakat vor mir an der Wand: «Und wenn das jeder tun würde?» Es ist eine Kampagne gegen die Verschmutzung der Stadt durch Graffiti und, ja, vor allem durch Graffiti. Schnell packe ich das Nötigste zusammen und ziehe Leine. Es ist jetzt Mitternacht und endlich genug kalt, um auch die Jacke anzuziehen.
Die neue Deeskalations-Strategie?
Friday, September 19th, 2008Beim gestrigen Uefacup-Spiel gelangten Hooligans des FC Brügge quer durch den Familiensektor an den Zaun des YB-Fansektors. Wie das möglich war, schildern die Verantwortlichen des Stade de Suisse in einer doch eher irritierenden Stellungnahme:
YB bedauert die Vorkommnisse im Zusammenhang mit gewalttätigen Fans beim UEFA-Cup-Spiel gegen den FC Brügge Beim gestrigen UEFA-Cup-Spiel YB – Brügge kam es zu einer gezielten Aktion einer stattlichen Gruppe gewaltbereiter belgischer Hooligans, die kurz vor Anpfiff der Partie die Konfrontation mit Berner Fussballfans suchten. Der BSC Young Boys und die STADE DE SUISSE Wankdorf Nationalstadion AG bedauern die Vorfälle. Die ohne Ticket angereisten Hooligans wurden von den Verantwortlichen des FC Brügge in der belgischen Fanzone nicht akzeptiert; auf Anraten der Polizei, der UEFA und des FC Brügge wurden die rund 150 Personen mit Tickets nahe des Brügge-Fanblocks ausgestattet, um vor dem Spiel gewalttätige Konfrontationen vor dem Stadion und in der Innenstadt zu vermeiden. Bedauerlicherweise kam es trotzdem zu einer Rangelei, die ohne Folgen blieb, da die Ordnungskräfte die belgischen Randalierer innert Minuten neutralisieren konnten. Zu den Vorfällen nach dem Spiel auf dem Quartierplatz verweisen wir auf das Communiqué der Kantonspolizei. Der BSCYB und die STADE DE SUISSE Wankdorf Nationalstadion AG entschuldigen sich ausdrücklich bei den Besuchern des gestrigen Spiels für die entstandenen Unannehmlichkeiten.
Fassen wir zusammen: Auswärtsfans, die der Gastklub nicht bei seinen Fans haben will, erhalten auf Anraten der Polizei (!), der Uefa (!!) und des Gastklubs (!!!) Tickets, damit sie sich ruhig verhalten? Es kann sich dabei nur um eine neue, bislang unbekannte Deeskalations-Strategie handeln. Oder haben wir da im Detailkonzept Sicherheit etwas überlesen?
Ach, ja: Und einen Lorbeerkranz für den Pleonasmus des Tages, “gewaltbereite Hooligans”. Was auch hitverdächtig wäre: “überforderte Sicherheitsverantwortliche”.
Der Fangesang als Zeitdokument
Thursday, September 18th, 2008Der Fangesang ist ein unterschätztes Kulturgut. Dass er in gewissen Fällen sogar Zeugnis ablegt von wichtigen gesellschaftlichen Veränderungen, beweist ein Lied, das von den Anhängern des FC Zürich seit bald zehn Jahren (und leider immer seltener) gesungen wird. Es stammt aus aus der Feder eines Dichters, der sich im alten, völlig verwilderten Parsimony-FCZ-Forum als ”baldbaldsunntig” einen Namen gemacht hat. Das Lied wird gesungen zur Melodie von “Oh my darling Clementine” und geht so:
Anorthosis, Schachtjor Donezk
Celtic Glasgow schlugen wir
die AS Roma lag im Koma
nur die Mafia die half ihr
Der Text erzählt die Geschichte des FCZ in der Uefacup-Saison 98/99. Nacheinander schaltete der FCZ damals Schachtjor Donezk (4:0, 2:3, Eintritt Heimspiel 20 Franken), Anorthosis Famagusta (4:0, 3:2, 20 Franken) und Celtic Glasgow (1:1, 4:2, 60 Franken) aus. Im bitterkalten Dezember 1998 schliesslich traf er auf die AS Roma des jungen Francesco Totti und schied nach einem geschenkten Elfmeter im Hin- und einem sozusagen geschenkten Freistoss im Rückspiel aus (0:1, 2:2, 60 Franken).
Was das Lied von ”baldbaldsunntig” heute so aktuell macht, ist der Umstand, dass alle vier damaligen Kontrahenten in dieser Saison in der Champions League spielen. Anorthosis qualifizierte sich über die Stationen Pjunik Eriwan, Rapid Wien und Olympiakos Piräus und trotzte im ersten Gruppenspiel Werder Bremen auswärts einen Punkt ab. Schachtjor ist als Metropole der russlandtreuen Ostukraine einer der Profiteure der postsowjetischen Kapitalkonzentration (um es so neutral wie möglich zu sagen), spielt mit einem vermutlich dreistelligen Millionenbudget und liess dem FC Basel entsprechend den Kräfteverhältnissen im ersten Gruppenspiel keine Chance. Celtic und Roma sind seit ein paar Jahren in der Champions League fast durchgehend vertreten.
Das Lied, das im Letzigrund in der Rückrunde 98/99 zum ersten Mal zu hören war und sowohl der Glorifizierung eigener Erfolge als auch der kollektiven Verarbeitungen eines erlittenen Schmerzes diente, wirkt heute, nur zehn Jahre später, wie aus einer völlig andern Zeit. Vereine, die man damals noch mit vier zu null nach Hause geschickt hat, scheinen heute uneinholbar entrückt. Es wäre theoretisch möglich, dass der FC Basel in dieser Champions-League-Saison nebst Donezk auch auf die andern drei damaligen FCZ-Kontrahenten trifft. Theoretisch möglich, aber praktisch unwahrscheinlich. Und dass er sie alle schlägt, daran wagt schon gar niemand zu glauben.
Mir hat das Lied immer gefallen: die altmodische Melodie und zwei sich reimende Zeilen, die an reale Ereignisse anknüpfen. Heute, beim Lesen der Match-Telegramme, ist es mir wieder in den Sinn gekommen. Dabei hat es ”baldbaldsunntig” damals einfach mal in den Abendhimmel gesungen, und die um ihn herum fanden es gut. Vielleicht singen sie es ja, wenn der FCZ in Mailand spielt.









