Archive for September, 2008

Sieg dank Fackeln?

Tuesday, September 30th, 2008

Kausalitäten der eher ungewohnten Art suggeriert die NZZ heute in ihrem hoch geschätzten Auslandfussballteil: “Erst nachdem Leuchtraketen in den Espanyol-Block geflogen waren und die Partie acht Minuten unterbrochen gewesen war, löste sich die Ladehemmung in Wohlgefallen auf”, schreibt Georg Bucher über das Derby in Barcelona.

Mit etwas bösem Willen liesse sich anfügen: Darauf hätte auch der NZZ-Berichterstatter bei Basel-YB kommen können.

Breit auf der Breite

Tuesday, September 30th, 2008

Am Abend, als Feldschlösschen die Erhöhung des Bierpreises um 20 Rappen pro Stange bekannt gab, spielte der FC Schaffhausen zuhause gegen St. Gallen. Das schreibe ich bewusst. Denn in ein bis zwei Jahren wird man sich die Frage stellen: Wo warst du, als Feldschlösschen den Bierpreis um 20 Rappen pro Stange erhöhte? Die einen werden sagen: zuhause. Andere: im Kino (Montag, billiger). Wieder andere: in der Beiz. Ich war auf der Breite, und hoffentlich weiss ich das auch noch, wenn mich mal einer fragt. Oder eine. 

Es gab Falken, logisch, aber es war zu kühl für zu viele davon. Es gab aber auch noch den Kaffee-Tresen. Und die Frau an der Thermoskante hatte ihren Winter noch nicht so recht eingeläutet. Wie ein guter Lutz zu machen ist, lag noch irgendwo im hintersten Winkel ihres Grosshirns verborgen. Sie zeigte Grösse und fragte: Wie möchten Sie ihn? Mit wenig Kaffeepulver? -ja- Mit zwei Zucker? -ja- Mit Pflümli? -ja- Wie viel? -jaaaaaaaaaaaaaaaa!

Vier Franken fünfzig kostete diese Zentralheizung in Pappbecherformat, ich gab fünfzig Rappen Trinkgeld. St. Gallen gewann 1:0. Auf dem Weg zum Bahnhof passierten uns die Fans. Einer meinte, wir seien Zivilpolizisten. So weit ist es schon. Das Alter nagt wie der Rost am Gerüst der Schaffhauser Stahlrohrtribüne. I like the Challenge League. Morgen kauf ich mir beim Dosenbach ein Paar neue Finken.

Gegen alles.

Sunday, September 28th, 2008

Jedenfalls gegen Korruption. Oder gegen Moderne. Oder gegen Fussball.

Aufgenommen in Pozzuoli bei Neapel im September 2007.

Ab nach Minsk!

Sunday, September 28th, 2008

Meldung der Woche: „Letzte Warnung für Polen und die Ukraine“. Betreffend Austragung der Euro 2012. Sensationelle Kehrtwende am Samstag: „EM 2012 in Serbien und Holland“! Fussball, Handball, Egal. Vielleicht wäre aber einfach auch Weissrussland eine gute Alternative. Nirgends auf der Welt gibt es grössere Flutlichtmasten. Oder weiss wer was?

Armer FC Bayern

Sunday, September 28th, 2008

Hat jemand gelacht beim Trikot-Tanz? Gedacht: Wie waren die denn drauf in den 70er Jahren? Hier die Belehrung: Es ist alles immer noch gleich schlimm. Präsentation des neuen Bayern Trikots diesen Sommer.

“Ragazzi di stadio”, Torino 1979

Saturday, September 27th, 2008

Das Buch hab ich vor ein paar Jahren geschenkt bekommen, aber erst diese Woche gelesen. Es kommt wie ein Bildband daher, deshalb hab ich die Texte bis vor kurzem vernachlässigt. Die Rede ist von “Ragazzi di stadio” von Daniele Segre, herausgegeben 1979 von der Edition Gabriele Mazzotta.

Das Buch enthält Schwarzweissfotos der Fanszene Turins (viel Juve, wenig Toro) Ende 70er Jahre, meist Portraitaufnahmen wie auf dem Umschlag, aber auch Graffitis, Transparente, Gruppenfotos; ein grossartiges Werk. Die Bilder zeigen die extreme Überschneidung politischer mit Fan- Subkulturen, die die Anfangszeit der italienischen Fan- und Ultra-Kultur prägte. Ein Grossteil der damaligen Gruppierungen ordnete sich dem linken Spektrum zu – ein heute nahezu vollständig verschüttetes Erbe.

Wie ich jetzt erfahren habe, sind die Buchtexte ebenso wertvoll wie die Aufnahmen. Daniele Segre hat sich für “Ragazzi di stadio” mit jungen Männern und Frauen aus der Turiner Fanszene unterhalten: lange Gespräche in einer aus heutiger Sicht unvorstellbaren Direktheit und Offenheit. Herausragend hier das Gespräch mit Beppe, einem der Gründer und erstem Capo der “Fighters” von Juventus. Beppe erzählt hier vom Verhältnis zu seinen Eltern, die ihn schon als Kind verstossen hätten, von der Beziehung zu seiner Freundin Teresa (die beim Gespräch ebenfalls anwesend ist), von seiner Liebe zu Juventus und seinen Vorstellungen von “tifo”. Beppes Aussagen sind insofern ein interessantes Dokument, als der junge Capo Ende 70er Themen anspricht, die wir heute gerne als neuzeitliche Phänomene und Auswirkungen einer überbordenden Kommerzialisierung des Fussballs verstehen, wie etwa die fehlende Unterstützung seitens des Tribünenpublikums oder die Arroganz überbezahlter Spieler.

Geradezu rührend sind die Passagen, wo Beppe von einer Fankultur wie in England, speziell in Liverpool, träumt, nur mit Schals, Klatschen und Gesängen, ohne Trommeln. Um dem Interviewer Segre verständlich zu machen, was er meint, legt er die Pink-Floyd-LP “Meddle” auf, in deren Song “Fearless” ein Sample des Liverpooler Kop zu hören ist. Offenbar ist dies Beppes einziges Tondokument englischer Fangesänge. Per Zufall entdeckte ich genau diese Gesprächssequenz auf Youtube. Es ist dort zu sehen, dass Beppe dem Interviewer den ganzen Song vorspielt, bis am Schluss endlich “You’ll never walk alone” ertönt. Dass der Interviewer Daniele Segre ist, nehme ich an, denn gemäss seiner Homepage hat er unter dem selben Titel “Ragazzi di Stadio” 1980 auch einen Dokumentarfilm veröffentlicht. Daraus stammt wohl die Sequenz mit Beppe.

Jetzt stellt sich natürlich die Frage, was es bringt, ein vermutlich seit Ewigkeiten vergriffenes Buch vorzustellen. Ich weiss es auch nicht. Ausser dass ich ohne das Buch nicht auf den Youtube-Clip gekommen wäre, und den zu schauen lohnt sich auf jeden Fall. Was die Bilder angeht, so stell ich vielleicht irgendwann noch das eine oder andere hier rein. Wobei ich etwas Skrupel habe bei so guten Arbeiten. Die sollten nicht einfach so im Netz landen.

Danke, Fabio, für das Geschenk.

Tanz das Trikot!

Saturday, September 27th, 2008

Wenn Ausdruckstanz auf Fussball trifft, lohnt sich ein Blick. Dank an Leser Res für den Hinweis. 

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Friday, September 26th, 2008

 

Titel: Ein guter Ort für trockene Schüsse

Aufgenommen von Damian in Humberstone. Das ausgediente Salpeterwerk in der chilenischen Wüste zählt zum Unesco Weltkulturerbe.

Zuschauerzahlen, Stadionnamen

Friday, September 26th, 2008

Die Sportseite von gestern Donnerstag war wieder einmal eine Fundgrube: Vollrunden in Spanien und Italien, Pokal in Deutschland. Interessant hier die Zuschauerzahlen: Das 16tel-Finale zwischen Freiburg und Hoffenheim wollten mehr Leute sehen als die Serie-A-Partie Atalanta-Cagliari, obwohl Atalanta sehr gut in die Saison gestartet ist und nun auf Rang 3 liegt. Zu Inter-Lecce kamen 30’000, obwohl Inter Leader ist. 55’000 Plätze blieben leer. Gleich viele wie in Dortmund, wo auch nur 30’012 an einen Sieg gegen die Hertha glaubten. 

Freiburg übrigens spielt jetzt auch nicht mehr im Dreisam-, sondern im Badenova-Stadion. Aus dem Stand hätte ich jetzt gesagt, das ist ein Nasszelleninnenausstatter, aber es ist ein südbadischer Energieversorger. Nett auch: die Brita-Arena von Wehen-Wiesbaden. “Gehst du in die Brita?” “Heute nicht, nein.” Da wirkt Offenbachs Bieberer Berg fast schon wie ein Tippfehler, wie ein Lapsus, so im Stile von aus Versehen den alten Text des Deutschlandlieds einblenden. Wem ist das jetzt schon wieder passiert? Dem Teletext? Und wann, an der EM? Oder bei einem Vorbereitungsspiel? Immer dieses Halbwissen.

Enthüllung

Thursday, September 25th, 2008

Vorhin habe ich im Tram gelesen: “Moritz Bleibtreu ist Andreas Baader”.

Das wusste ich gar nicht.