Die Mär vom dümmsten Moment
“Die Basler Führung ereignete sich im unglücklichsten Moment für die Aargauer, nämlich unmittelbar vor der Pause”, steht heute in der NZZ am Sonntag. Ja, dieser “unglücklichste”, auch “dümmste”, meist aber “psychologisch dümmste” Moment genannte Zeitpunkt vor dem Tee – was hat er schon alles in sich reininterpretieren lassen müssen. Dabei steht schon seit einiger Zeit fest, dass zwischen Toren vor dem Pausenpfiff und dem Schlussresultat kein signifikanter Zusammenhang besteht. In Zahlen heisst das z.B. “In den 168 WM-Spielen von 1990 bis 1998 hat nur eine Mannschaft, die in den letzten fünf Minuten vor der Pause den Ausgleich schoss, das Spiel gewinnen können.” (aus: Eichler, Lexikon der Fussballmythen).
Nachtrag: Am 7. September schreibt wieder die NZZ am Sonntag zu Israel-Schweiz: “Unmittelbar vor der Pause, zu einem günstigen Zeitpunkt, erzielte Yakin per Freistoss das 1:0.” Was, gemessen am Schlussresultat, an diesem Moment günstig war, erfahren wir leider nicht.
September 5th, 2008 at 1:26 pm
“…nur eine Mannschaft, die in den letzten fünf Minuten vor der Pause den Ausgleich schoss,…” – Hier ging es ja aber nicht um den Ausgleich, sondern um die Führung. Gibt es da auch Zahlen dazu?
September 5th, 2008 at 1:44 pm
Ein englischer Forscher hat (ich weiss nicht mehr in welchem Jahr) 355 Premier-League-Spiele untersucht, die zur Pause 1:0 standen. Er fand keinen Zusammenhang zwischen der Spielminute, in der dieses erste Tor fiel, und dem Schlussresultat. Hier ein Link:
http://www.spiegel.de/wissenschaft/mensch/0,1518,557356-6,00.html