Archive for August, 2008

Auch Yassine parkt nicht gratis

Sunday, August 31st, 2008

Es kommt nicht jeden Tag vor, dass sich hartnäckige Vorurteile vom Zimmerfenster aus widerlegen lassen. Wie Herr Chikhaoui beweist, geniessen gut bezahlte Fussballer nämlich nicht wie vermutet uneingeschränkte Privilegien, sondern müssen wie Herr und Frau Normalparkierer brav ihren halben Franken in den Schlitz drücken. Herr Chikhaoui minderte diese Last immerhin insofern, als er seinen Berater die unangenehme Pflicht erledigen liess.

 

 

Etwas gar viel der Normalbürgelichkeit war dann aber das kurze Gespräch mit zwei herbeieilenden Jungs, die wissen wollten, ob es sich bei ihm nicht um den berühmten Herrn Chikhaoui handle. Doch, nickte dieser, und sein Berater fragte zuvorkommend, ob sie vielleicht ein Autogramm möchten. “Ehm, nei, merci”, war die Antwort.

Die Mär vom dümmsten Moment

Sunday, August 31st, 2008

“Die Basler Führung ereignete sich im unglücklichsten Moment für die Aargauer, nämlich unmittelbar vor der Pause”, steht heute in der NZZ am Sonntag. Ja, dieser “unglücklichste”, auch “dümmste”, meist aber “psychologisch dümmste” Moment genannte Zeitpunkt vor dem Tee – was hat er schon alles in sich reininterpretieren lassen müssen. Dabei steht schon seit einiger Zeit fest, dass zwischen Toren vor dem Pausenpfiff und dem Schlussresultat kein signifikanter Zusammenhang besteht. In Zahlen heisst das z.B. “In den 168 WM-Spielen von 1990 bis 1998 hat nur eine Mannschaft, die in den letzten fünf Minuten vor der Pause den Ausgleich schoss, das Spiel gewinnen können.” (aus: Eichler, Lexikon der Fussballmythen).

Nachtrag: Am 7. September schreibt wieder die NZZ am Sonntag zu Israel-Schweiz: “Unmittelbar vor der Pause, zu einem günstigen Zeitpunkt, erzielte Yakin per Freistoss das 1:0.” Was, gemessen am Schlussresultat, an diesem Moment günstig war, erfahren wir leider nicht.

Ostblog – der FCSG im B

Sunday, August 31st, 2008

Kein Bild, schon gar kein bewegtes, ist mehr zu sehen, keine Zeile mehr zu lesen (ausser man hat das Tagblatt abonniert). Die Rede ist vom FC St. Gallen und seinem Leben mit Schuhgrösse 35. Zuhause immer über 10′000, auswärts immer über 1000 – nicht ohne Grund nennen die Grün-Weissen ihre Saison “Heimspiel-Tour”. Wer sich nun nicht mehr mit dem Lesen des Matchtelegramms begnügen will (Locarno-FCSG: drei Tore, fünf Rote!), wende sich fortan an den Ostblog, wo auf einigen schönen Zeilen immerhin alle Spiele in der Fremde angemessene Würdigung erfahren. Hut(ter) ab!

 

Zlaty Basant

Una storia degli ultras italiani

Friday, August 29th, 2008

Für alle Italienischsprechenden: Giovanni Francesio hat mit “Tifare contro – una storia degli ultras italiani” ein hervorragendes Buch zur Geschichte der italienischen Fan-Bewegungen geschrieben. Francesio rollt die Ereignisse seit den 60er Jahren auf, zählt die Toten und erklärt präzise wie bisher kaum jemand vor ihm, wie es zur Misere kommen konnte, in der der Tifo italiano seit Jahren steckt. Dabei spart er nicht mit Kritik, weder an den Medien noch an der Polizei noch an den Ultras, zu denen er selber während Jahrzehnten gehörte. Stellvertretend für seine Ausführungen Francesios Schlusssatz: “Serve verità, non violenza. E non c’é niente da aggiungere.”

Meines Wissens in der Deutschschweiz nur im Sportantiquariat Germond zu beziehen.

 


Rilke vom Leutschenbach

Friday, August 29th, 2008

Gigi Oeri wird nach dem Schlusspfiff vom Reporter gefragt, weshalb sie so sicher gewesen sei, dass der FCB es in die Champions League schafft. Die aufgewühlte Präsidentin sagt: “Weibliche Institution”. Dann zurück ins Studio, zu Rainer Maria und Rolf. Rainer Maria, grinsend: “Wie hat sie gesagt, weibliche Inst.. Inst… Inst”, und der Rolf: “Ja, Intuition”. 

Klar, wer Rainer Maria heisst, hat eine Verpflichtung der schönen Sprache gegenüber. Aber stünde da nicht im Leutschenbach selber allerhand Arbeit an? Ist denn die SF-Sportredaktion, gerade in Live-Sendungen und einschliesslich Rainer Maria, etwa bekannt für das elegante Wort? Dann wieder zurück ins Stadion, jetzt hat der Reporter den glücklichen Christian Gross vor dem Mikrofon. Und fragt, die Mundwinkel an den Ohrläppchen: “Muss auf dem Barfüsserplatz jetzt dann nicht mal ein Christian-Gross-Denkmal gebaut werden?” Ja, was ist das denn? Ist das Journalismus oder ist das SF bi de Lüüt? 

SF-Sport: Hoffen auf den Tonausfall

Geht doch

Thursday, August 28th, 2008

In Zeiten, in denen Ligen zu Schuhgeschäften werden und kleine Vereine so viele Trikotsponsoren an Land holen müssen, dass die Spieler darin aussehen wie der Inserateteil einer Gratiszeitung, ist es erfreulich, dass der Traditionsverein Servette zumindest optisch eine Rückkehr zu guten alten Zeiten anstrebt. Die Mannschaft präsentiert sich in dieser Saison wieder in jenem schönen Bordeauxrot, das junge Mädchen früher gleich reihenweise ins Fantum trieb.

Nur der eng anliegende Schnitt macht es für die Anhänger von damals schwierig, die Bierbauchansätze würdig zu verstecken.

Servette Trikot

Der Ehrlichkeit halber sei noch anzumerken, dass während Meisterschaftsspielen ein Teil dieses schönen Bordeauxrots dann doch von einem Werbeschriftzug verdeckt ist. Und es ist anzunehmen, dass der Sponsor – spezialisiert auf industrielle Reinigungsprodukte – mehr Geld in die Vereinskasse spült als die durchschnittlich 1′300 Zuschauer, die sich ins Stade de Genève verirren.

Und grad noch etwas in Sachen Kleber…

Wednesday, August 27th, 2008

Wo führt das hin, muss man sich fragen, wenn jetzt auch noch die Anhänger des FC Witikon die Stadt Zürich mit ihren Klebern verschönern wollen (siehe Abbildung 1). Wahrscheinlich in etwa dorthin, wo es die Aufkleber der Zürcher Südkurve tagtäglich schaffen (Abbildung 2). Wobei zu letzterer zu sagen ist, dass deren Kunstwerke oft schnell auch wie Abbildung 3 oder von Anfang an wie Abbildung 4 aussehen. Dass im momentan doch etwas arg ausufernden Stadtverschönerungswettbewerb noch weitere ultrà-orientierte Vereinigungen miteifern (Abbildungen 5 & 6), lässt uns wenigstens Hoffnung, dass auch im Provinznest “Little Big City” irgendwann noch Grossstadtgefühl aufkommt (siehe Abbildung 7 aus Hamburg).

Peroni

Sperrgut beim Letzigrund

Wednesday, August 27th, 2008

Es heisst Cargo-Tram, holt ein paarmal pro Jahr gratis kaputte Möbel und altmodische Pultlampen ab und war im Moment der Aufnahme gerade dabei, eine Kinderzimmerkommode aus den frühen 80er Jahren abzutransportieren. An der Tramhaltestelle Letzigrund.

Es spielen hier auf zwei Schranktürchen der FC Zürich gegen den Servette FC. Abgewetzt und gezeichnet von unglücklichen, mühseligen Karrieren erkennen wir u.a. Favre Lucien, Brigger Jean-Paul, Decastel Michel, Burgener Erich, Renquin Michel, Jaccha Mustapha (links) sowie Schneider Markus, Maissen Erni, Jerkovic Jure, Elsener Ruedi, Andermatt Martin, Rufer Wynton und Lüdi Heinz (rechts). Sie alle warten auf eine würdige Entsorgung durch das Cargo-Tram, eine der besten und innovativsten Erfindungen, seit es das rot-grüne Zürich gibt.

Handy und Pressing

Wednesday, August 27th, 2008

Was hat moderner Fussball mit der Gehetztheit des heutigen Lebens zu tun? Antworten darauf finden sich in einem lesenswerten Text von B. Füchslin, Präsident des FC Richterswil und Mediensprecher des FC Tuggen, der auf www.bola.ch zu finden ist. Hier nur ein Auszug:

“Irgendwie passt dieser heutige Fussball zu unserem Leben, das uns allen so ab und zu Sorgen bereitet. Schnell, immer schneller. Im Räderwerk mitdrehen (man erinnert sich wieder an diese so symbolischen, grossen Zahnräder in Charlie Chaplins «Modern times»). Mit dem Handy jemanden anrufen, der weit weg ist – dafür jene vergessen, mit denen man gerade zusammen ist.”

Der ganze Text ist hier.

Oranje brillant, brillant

Tuesday, August 26th, 2008

David Winner: Oranje brillant – Das neurotische Genie des holländischen Fussballs.

Unbedingt lesen. Erhellend. Wer weiss schon was über Holland ausser Heineken? Das ist ein Fussballbuch, das 14mal mehr hält, als es verspricht. Zu kaufen z.B. in der Buchhandlung am Helvetiaplatz in Zürich.